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ren, daß wir ohne Gefahr die fremdartige Masse in uns aufnehmen können. „Fremdartig" sagte Görres und mit Recht! Denn dreierlei Elemente bekämpften sich damals im geistigen Leben des Elsasses: das provincielle, das deutsche und das sich nur in Hemmungen erweisende, nur im Costüm der Bildung sich zeigende französische. Ausführlich wird dies, fowie die konsequente Zurücksetzung der Elsässer durch jede französische Regierung nachgewiesen, vornehmlich in konfessionellen und Schülfragen. Treffend wird dann auch der Nachweis geliefert, welchen Niedergang die französische Wirthschaft im geistigen Leben hervorgebracht und welches Loos der altberühmten Straßbur- ger Universität zu Theil ward. Wie eine Befreiung aus unwürdigen, schädigenden Verhältnissen muß dem denkenden Elsässer die Wiedervereinigung mit dem mittlerweile so groß und mächtig gewordenen deutschen Volks- und Staatskörper sein. Und so ist uns denn auch nicht bange um die endliche völlige Vereinigung der verlorenen und wiedergewonnenen Stämme mit dem Muttervolke. Es ist uns auch darum nicht bange, daß der elsässische triebkräftige Geist es aufs Neue wieder zu geistigen Blüthen ersten Ranges bringen wird. Daß der „verlorene Sohn" sich aber im Vaterhause heimisch suhlen werde, dafür bürgen, irre ich mich nicht -— jetzt schon Anzeichen genug.
^. II—t2.
Berliner Ariefe.
Berlin, den 3. August. Die östreichischen und besonders die Wiener Blätter beschäftigen sich viel mit der Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland und Oestreich, die in diesen Tagen in Gastein oder in irgend einem andern Orte, den Kaiser Wilhelm aus seiner Reise nach dem heilkräftigen Wildbad berührt, stattfinden soll. Hier erregt die Zusammenkunft wenig Interesse. Der Grund dieser verschiedenen Auffassung liegt in der Gleichgültigkeit, mit welcher man hier, so unmittelbar nach dem gewaltigsten Kriege, selbst die Diplomatie betrachtet und noch mehr eine Zusammenkunft, von welcher allem Anschein nach die Diplomaten und die Diplomatie ausgeschlossen sein werden, während in Oestreich die brennende Nationalitätensrage gerade bei diesem Anlasse wieder mächtig angefacht wird. Die Deutschen in Oestreich sehen in der Annäherung der beiden Monarchen ein Pfand dafür, daß ihre Rechte etwas mehr als bisher werden geachtet werden und die Slawen geben sich die Miene, als glaubten sie an eine furchtbare Verschwörung, welche aus dieser Zusammenkunft hervorgehen könne, um den Deutschen in Oestreich wieder zur Herrschaft zu verhelfen. Jene Hoffnungen, wie diese Befürchtungen sind gleich grundlos. Die Zusammenkunft kann für die europäische Politik eine Bedeutung haben, auf die innere Politik Oestreichs wird sie sicherlich keinen Einfluß üben. Die Deutschen in Oestreich sind zahlreich' genug, um selbst ihre Rechte zu schützen, wenn sie es nur an Energie und Einigkeit nicht fehlen lassen und für die östreichische Regierung liegen so gewichtige Gründe