347
Restaurant dagegen, in welchem man zu allen Tageszeiten eine größere oder geringere Anzahl Offieiere aller Grade anzutreffen pflegte, wurde auch zu unserem Versammlungspunkte gewählt, wo wir nicht allein unsre Mahlzeiten einnahmen, sondern auch jeweilig zu den erforderlichen Versammlungen zusammentrafen.
Bald nach unsrer Ankunft traf der Geh. Legationsrath von Keudell bei dem Präsidenten Simson ein, um die Deputation des Reichstages im Namen des seit einigen Tagen durch Unpäßlichkeit an seine Wohnung gefesselten Bundeskanzlers Grafen von Bismarck zu begrüßen. Simson machte dem Kanzler des norddeutschen Bundes persönlich seinen Besuch, wir übrigen sandten unsre Karten und empfingen dagegen am nächsten Tage diejenige des Grafen Bismarck.
Man hatte unser Gepäck sammt und sonders nach dem Hotel gebracht. Nachdem also die nöthigen Verabredungen für den nächsten Tag getroffen waren, und wir zu Abend gegessen hatten, fuhr ich in einem preußischen Postwagen mit einem Gepäckmeister als umitre äs e^rämouies nach meinem Quartiere, wo mir auch sofort bereitwillig ein hübsches Zimmer eingeräumt wurde.
Am nächsten Morgen erfuhren wir, dcch der König, welcher an diesem Tage bis Nachmittag hin großen Kriegsrath mit seinen Generalen hielt, beschlossen habe, am Sonntage, den 18. December Nachmittags 2^lhr nach vorhergegangenem Gottesdienste in der Schloßkapelle die Adresse des Reichstages im Präfecturgebäude, wo seine Residenz war, zu empfangen. Zugleich waren wir um 5 Uhr zur königlichen Tafel geladen. (Schluß folgt.)
Aus dem Wiener Leben.
Kaum eine Stadt dürfte während der Dauer dieses Krieges in ihrer Stimmung ein so seltsames buntes Bild geboten haben, als Wien. Wenn irgendwo, hatte hier die deutschgesinnte Partei einen schweren Stand. Anfänglich, im Juli und August, konnte sie fast nur mit Lebensgefahr ihren Sympathieen für die Stammesgenosfen Ausdruck geben; seither wuchs sie zu zusehends zu Geschlossenheit, Macht und Einfluß, und gegenwärtig — wir können es mit Freude und Stolz aussprechen — gegenwärtig ist unsere Politik die siegreiche, die dominirende. Umsonst grollt jene geistig unbedeutende Partei, die den Abrechnungstag für 1866 ersehnte, umsonst raisonnirt das Semitenthum — aus unseren ungesunden Finanzverhaltnissen stets üppiger aufschießend— über Preußen, umsonst zetern jämmerliche mit Welfengeld bezahlte Seribler in unbedeutenden Localblättern über das „Junkerthum und