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Die Gardinen-Predigten der Frau Doctor Bratenriecher : stenographische Aufzeichnungen.
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seiest Du müde, wie ein Hund, und müssest eine kleine Siesta halten. Aus dieserkleinen Siesta" wurde ein schnarchender Schlaf von anderthalb Stun­den; und dann gingst Du wieder in die Fraktion. Um zwölf Uhr kehrst Du aus derselben, oder Gott weiß woher sonst, zurück. Heiintückischer Weise benutzest Du die Augenblicke des ersten und kräftigsten Schlafes, der mich von meinem Kummer erlöst hatte, um Dich auszukleiden und zu Bette zu legen; und nun, da ich mit Dir reden will, stellst Du dich, als ob Du schon schliefest; und ich kann nichts aus Dir herauskriegen, als einiges Grunzen.

Bratenriecher, ich frage Dich, wann soll ich nun mit Dir reden? Wenn Du wachst, bist Du nicht zu Hause. Wenn Du zu Hause bist, schläfst Du.

Das heißt, Du stellst Dich so, als ob Du schliefest. Ich aber getröste mich meiner Zweifel ; ich sage: Nur Zweierlei ist möglich: Entweder Du «schläfst, oder Du schläfst nicht.

Angenommen, Du schläfst wirklich, (obgleich ich das Deinem verschlagenen Charakter nicht zutraue, den ich nun schon seit fünfzehn Jahren studire), dann hätte freilich alles Obige auch eben so gut ungesprochen bleiben können. Aber auf keinen Fall schadet es was. Ich habe wenigstens wieder einmal mein Herz erleichtert.

Schläfst Du aber nicht, so ist es eine gerechte Strafe für Deine schänd­liche Heuchelei, daß ich Dir einmal die Wahrheit gesagt habe. Die Wahrheit? Nein, nicht die Wahrheit, sondern nur einen gelinden und entfernten Vorge­schmack derselben. Denn, ach, mein gutes und gefühlvolles Herz, das obwohl schon tausendmal getäuscht, sich immer von Neuem betrügen läßt, hat wieder Censur geübt an den Erzeugnissen meines Verstandes, der gewohnt ist, Herz und Nieren der Männer zu prüfen. Das nächste Mal wird es kräftiger kommen. Gute Nacht, Bratenriecher! (Ende der ersten Predigt).

Aas freiwillige Iildungswesen Deutschlands in seinem gegenwärtigen Zustande.

Es war unser Schicksal, das neue deutsche Reich zu bauen, wie einst die Jsraeliten unter Nehemia Jerusalem bauten, das Schwert in der einen, die Mauerkelle in der andern Hand; aber in dem Augenblick, wo wir das Noth­dach durch ein dauerndes ersetzt haben, wo wir die Krone aus dem Giebel er­richten , ziemt uns zu untersuchen, ob die innere Einrichtung des Gebäudes von der Art ist, wie sie den Zwecken unserer Friedensarbeit und unserer ge- sammten Cultur entspricht. Gewiß sind tausend Bedürfnisse zu decken; es sei

Gmizboten I. 1^1. 4