7
Mriser Indiscretionen.
Aus dem Nachlaß eines verstorbenen Publieisten. I.
Die Kunst, die sogenannte „öffentliche Meinung" zu fabriciren, zu lenken und zu beeinflussen, stand von Anfang an, bei einem Regiments, wie dem kaiserlich französischen, das zu keiner Zeit der dramatischen Effecte und der theatralischen Jnscenesetzung zu entbehren vermochte, in höchstem Ansehen. Dem Inlands, wie dem Auslande durch diese künstliche „oMions Mdligue" Sand in die Augen zu streuen, galt daher für einen der wichtigsten Regierungszwecke.
Hierfür ward natürlich die Presse als der vorzüglichste Hebel benutzt und zwar mit solchem Geschick, daß nur die solidesten Gewissen — und deren Zahl war nicht Legion — der Verderbniß sich fern zu halten wußten, welche seit dem Staatsstreich innerhalb der Zens der Presse krebsartig um sich gefressen.
Die Tage, in denen der nachmalige liberale Deputirte, Latour de Mou- lin, gewissermaßen als Menschenfresser die Preßdirection im Ministerium des Innern leitete, sind schon mehrfach geschildert worden — aber es bleibt auch hier ein Zeichen der Zeit, daß dieser rothe Imperialist erst liberal wurde, nachdem er mit Morny ein Geschäft abgeschlossen, dessen reich dotirte, altlich gewordene Maitresse geheirathet und gleichzeitig aus dem Staatsdienste ausgeschieden war. Einmal reich geworden, - vergab man ihm in Paris schnell die Art und Weise, wie er zu Geld und Unabhängigkeit gekommen und seine leckeren Diners hatten Macht genug, ihm unter der Partei der „ehrlichen Leute", wie sie sich nannten, dem linken Centrum des gesetzgebenden Körpers, eine kleine Phalanx heranzuziehen, welche immer bereit war, den im Grunde unbedeutenden, aber höchst ehrgeizigen Expreßleiter für ein fein bereitetes Linsengericht nebst obligatem ClMeau Dquem ein Ministerportefeuille einzuhandeln.
Die Mysterien der Pariser Preßleitung dürften schwerlich jemals vollständig ans Licht kommen. Fern sei auch von mir die Absicht, eine pragmatische Uebersicht über ihre Führung und deren Verzweigungen zu geben. Es genügen für meinen Zweck gewisse Schattenrisse und Einzelheiten, welche dem Leser, der zu lesen versteht, den Schlüssel zu manchen Vorgängen bieten, deren hieroglyphische Existenz anders nicht leicht zu verstehen sein mag.
Die Preßgesetzgebung der ersten Periode des zweiten Empire ist genugsam bekannt; aber auch später, als anscheinend die Zügel der Presse am