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kleben, sondern da lernen solle, wo sich etwas lernen lasse. Wir haben es also auch hier mit den Gegensätzen in der deutschen Kunst zu thun und berühren daher die ausländische nur in so weit, als sie in dieselben einschlägt und neben die einheimischen Leistungen gehalten zur Charakteristik der neuen Bestrebungen beiträgt. Natürlich spielen der Kampf, von dem hier die Nede ist, und die Umwandlung, welche nun die Kunst mit sich vorzunehmen scheint, vorzugsweise auf dem Felde der Malerei. In dieser, in dem stimmungsvollen Spiel des Lichtes, das jedes Stück Welt zu erhellen vermag und sein Inneres heraus- lcuchten läßt, vermag die Gegenwart ihr mannigfaltig bewegtes, innerlich zer- arbeitetes und in der Erscheinung nur flüchtig vorüberziehendes Leben leichter nnd bestimmter auszudrücken, als in der Plastik, die das abgeschlossene Einzelleben in sich ausprägt und von der Welt abscheidet, und in der Architektur, in welcher der ganze Lolrsgeist, unbewußt wie die Natur, in großen Zügen sich ausspricht. In der Malerei also wird sich der künstlerische Trieb der Gegenwart am lebendigsten bethätigen und die Gegensähe am entschiedensten ausbilden. Doch werden wir auch in der Plastik und der Baukunst ein Gegeneinander der Richtungen antreffen, das in neuester Zeit schärfer hervortritt, wenn auch in ^o fern weniger durchgreifend, als beide Künste von dem Nerv des Zeitalters weniger berührt werden.
Von den Meistern, welchen unsere Malerei ihren Ruf zu verdanken hat, war allein Cornelius (durch einige von den für das berliner Campo santo bestimmten Cartons) vertreten. Daß sich der Größte, oder richtiger der Große, unter den Aelteren von den jungen strebenden Talenten nicht entfernt hielt ist vielleicht mehr als ein Zufall und jedenfalls nicht ohne Bedeutung. Cornelius ist der Einzige, den auch die übersprudelnden Köpfe von heute mit einer Art staunender Verehrung noch anerkennen; jeder andere Ruhm der Modernen ist ihnen mehr als zweifelhaft geworden. Sie fühlen, daß wohl von Allen Cornelius allein für die Nachkommen einen mehr als historischen, einen echt künstlerischen Werth haben wird, und lebhaft empfinden sie die ergreifende. Wirkung seiner Werke, die große Anschauung, die aus ihnen spricht, so sehr sie sich andererseits im Gegensatze wissen zu der Gedankentiefe des Künstlers und seiner Art von Formengcbung. So steht Cornelius, den Kaulbach mit seinem geistreichen, aus imposanten und gefälligen Zügen bunt gemischten Jdeenspielc und der Koketterie seiner Darstellung eine Zeit lang zu überwuchern drohte, bei dem neuen Geschlechte doppelt in Ehren. Dieses Verhältniß desselben zu dem Altmeister ist für beide bezeichnend. Was die Neuen als das wahre Ziel der Kunst unvcrrückt im Auge haben, ist die ganz ausgesprochene, das innere Leben ganz in ihrem Geficht tragende Erscheinung, sei diese nun mehr künstlerisch oder blos natürlich empfunden; uud in der That, so unsicher Cornelius in der Beherrschung der Formen, so oberflächlich seine anatomische
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