Jahrgang 
1904: 1902/1903
Entstehung
Seite
66
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Deutsch-Ostafrika.

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Anlage VII.

Kulturbestrebungen der Komiminen.

1. Schrebungen des Kommunalverbandes Tanga auf Ansiedlung farbiger Ackerbauer.

Das im Vorjahre begonnene Ansiedlungsunter- nehmen wurde fortgesetzt.

Die angesiedelten Wanyamwesi haben mit Ausdauer weiter gearbeitet. Es ist dies umso bemerkenswerter, als die Erfolge, welche die Leute erzielt haben, noch nicht sehr große gewesen sind. Die Ursache ist, daß diejenigen Feldfrüchte, welche die Wayamwesi von ihrer Heimat her anzubauen gewohnt sind, namentlich Mtama, im Bezirk Tanga nicht gut gedeihen und für diejenigen Feldfrüchte, welche hier am besten gedeihen, erst noch ein Absatzfeld zu schaffen ist. Nur Mais ist bisher exportiert worden. Der erzielte Preis war jedoch, da der Mais sehr unter Insektenfraß gelitten hatte Wohl infolge von Mängeln bei der Erntegewinnung, ein niedriger. Die Lage der Ansiedlungen würde sich von Grund aus ändern, wenn es gelänge, für die hiesigen Knollengewächse, Bataten und Manyok sowie Bananen, einen Absatz zu schaffen. Bataten waren von den Wanyamwesi soviel gebaut worden, daß ein großer Teil in den Feldern verkam, weil es nicht lohnte, dieselben aus den Markt zu bringen.

Die Wanyamwesi-Ansiedler zogen meist die Nieder­lassung längs der Bahn oder an den Zusuhrwegen zu derselben vor,' es sind jedoch auch Ansiedlungen im An­schluß an die Küstenplätze, außer Tanga, namentlich in Tangata und Mansa erfolgt, die einerseits für den kleinen Lokalbedars liefern und anderseits Tagelöhner bei den Eingeborenen-Schambenbesitzern stellen.

Eine Wiederabwanderung der einmal angesiedelten Wanyamwesi ist nicht eingetreten, wenigstens nicht in einem irgend bemerkbaren Umfang, dagegen ziehen sich die bei Tanga selbst angesiedelten Leute mehr nach dem fruchtbaren Bondeiland. Ein gutes Zeichen ist, daß die Wanyamwesi anfangen, im kleinen Kokospalmkultur zu treiben, - die ihnen in der Heimat gänzlich unbekannt ist. Es ist dies der beste Beweis dafür, daß wenigstens ein großer Teil der Leute die feste Absicht hat, dauernd hier zu bleiben.

Die Jnder-Ansiedlnngen haben sich leider nicht ganz in der Weise entwickelt, wie gehofft wurde. Teilweise liegt das an dem massenhaften Auftreten von Schäd­lingen in den im Gegensatz zu den Feldern der, Ein­geborenen wohlgepslegten Ackern, teilweise liegt es aber auch an dem Charakter der Inder. Dieselben sind Neue­rungen noch viel schwerer zugänglich als die Neger. Trotzdem erscheint es wahrscheinlich, daß die indischen Ansiedlungen lebensfähig sind. Sie genießen keine Unter­stützungen mehr. Die Ansiedler hängen sehr an ihren Schamben. Es konnte dies konstatiert werden bei der Drohung, einen weniger tüchtigen Ansiedler zu entfernen. Jedenfalls haben sie selbst die größte Zuversicht. Be­sonders gilt dies von dem indischen Ansiedler Meta, einem ehemaligen Großhändler, der hier im Lande ein größeres Vermögen erworben hatte. Er hat bereits ca. 20 000 Rupie in seine Ansiedlung gesteckt. Meta ist