Deuts ch-Südwestafrika.
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Deutsch-Südwestaftika.
1. Allgemeines.
Die Entwickelung des Schutzgebietes ist im Berichts- Einfluß des Friedensschlusses jähre ohne Störungen verlaufen. Beeinflußt wurde sie wesent- in Südafrika,
lich durch die in dem benachbarten Britisch-Südafrika sich abspielenden Ereignisse. Nachdem Ende Mai 1902 der Krieg ,
zwischen Engländern und Buren beendet war, machte sich ein gesteigerter Verkehr über die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebiets bemerkbar. Teils zogen Burenfamilien, die während des Krieges eingewandert waren und sich auf den Farmen von Landsleuten aufgehalten hatten, wieder in das britische Gebiet zurück, teils trafen Neuankömmlinge ein, die sich mit der Neuregelung der Verhältnisse in den ehemaligen Burenstaaten nicht abfinden konnten und entweder hier bleiben, oder nach Europa durchreisen wollten.
In größerem Maße wurde Wert darauf gelegt, das Befiedelung.
Land für eine deutsche Befiedelung nutzbar zu machen.
Mit der Farmvermessung und Wassererschließung wurde fortgefahren. Eine erfreuliche Aussicht gewährt das Eintreffen der Fischflußexpedition, welche aus Mitteln der Wohlfahrtslotterie zugunsten der deutschen Schutzgebiete seitens des kolonialwirtschaftlichen Komitees in das Schutzgebiet entsandt'worden ist, um ein Projekt der NUltzbar- machung der ober- und unterirdisch abfließenden Wasser des großen Fischflusses und seiner Nebenflüsse durch Alltage von Stau- und Berieselungsvorrichtungen aufzustellen.
Infolge Eröffnung der Eisenbahn Von SwakoPMUNd Verbesserung der Verkehrs- bis Windhuk und der Mole in Swakopmund ist das Verhältnisse.
Schutzgebiet aus seiner bisherigen Abgeschlossenheit herausgetreten und dem Weltverkehr näher gerückt. Die Einrichtung, daß die Dampfer der Ostafrikalinie jetzt voll Zeit zu Zeit über Kapstadt längs der Westseite des afrikanischen Kontinents fahren und Swakopmund anlaufen, hat dazu gleichfalls beigetragen. Während früher im Schutzgebiete in der Regel nur Leute landeten, welche ihr Beruf oder ihr Geschäftsinteresse hierher führte, kommen jetzt schon hin und wieder Personen, welche lediglich aus Interesse an der Kolonie, behufs Information die Reise oder einen Abstecher hierher unternehmen. Dieses wachsende Interesse an dem Schutzgebiete trat bei der Einweihung der Mole ganz besonders deutlich in die Erscheinung. Mit dem Generalkonsul in Kapstadt waren ein Dutzend dort ansässiger Deutscher, darunter eine Anzahl Vertreter von Vereinen, am 12. Februar in Swakop- lnund gelandet und traten nach den Einweihnngsfestlich- keiten am folgenden Tage mit der Eisenbahn die Reise nach Windhuk an. Am 19. Februar schifften sich die Gäste in Swakopmund wieder nach Kapstadt ein. Mit besonderer Befriedigung ist das günstige Urteil zu verzeichnen, das die Kapstädter — ein Chemieprofeffor, verschiedene Landwirte und Kaufleute —, welche sich als scharfe und nüchterne Beobachter erwiesen haben, über den gegenwärtigen Zustand und die Zukunft des Landes fällten.