Jahrgang 
1904: 1902/1903
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

.m

Kamerun.

44

«

Kamerun.

Grenzregulierung.

Militärexpeditionen.

I. Allgemeines.

Die deutsch-französische Grenzregulierungs-Expedition hat im lairfenden Berichtsjahr ihre Aufgaben glücklich beendet.

Trotz der bedeutenden Schwierigkeiten, welche infolge der Witterung, des Geländes und des ungesunden Klimas den Arbeiten der Expeditionsmitglieder erwachsen sind, wurde die Aufgabe der Expedition, deren Führung auf deutscher Seite dem Hauptmann Engelhard? unterstand, innerhalb der hierfür vorgesehenen Zeitspanne von 2 Jahren gelöst. Nach Rückkehr des Oberleutnants Förster, der zur Zeit noch private Studien und Beobachtungen an der Ostgrenze des Schutzgebietes macht, wird die Südkamerun- Grenzexpedition drei große Routen durch das Kamerun­gebiet gelegt haben,' sie kann auf Grund dieser Erfolge wohl als eine der bedeutendsten Forschungsexpeditionen der letzten Zeit bezeichnet werden. Wertvoll sind diese Reisen besonders dadurch, daß zahlreiche geographische Positionen bestimmt worden sind, die einem Teil des Kartenbildes der Kolonie die bisher fehlende Stabilität sichern. Trotz der überaus geringen Anzahl von Soldaten, die der Expedition zugeteilt waren, und trotzdem die Ex­pedition oft noch völlig unberührte Gebiete durchzogen hat, sind alle Unternehmungen durchaus friedlich verlaufen. Es wurde während der ganzen Dauer der Expedition kein Schuß gegen Eingeborene abgefeuert. Erwähnens­wert ist auch, daß im Gegensatz zu den beträchtlichen Ab­gängen an Trägern bei den sonstigen größeren Expeditionen bei der in Rede stehenden Expedition innerhalb von 2 Jahren von durchschnittlich 7080 Trägern nur ein einziger gestorben ist.

Seit Januar 1903 ist eine gemischte deutsch-englische Grenzkommission tätig, welche die Grenze zwischen dem deutschen und englischen Gebiet von Jola bis zum Tsad- See hin festlegen soll. Führer der deutschen Expedition ist Hauptmann Glauning. Ihm zur Seite stehen drei jüngere Offiziere, die in Göttingen in astronomischen Be­obachtungen ausgebildet sind, sowie das weiter erforder­liche Unterpersonal. Das militärische Begleitkommando ist auf Grund einer mit den englischen Behörden getroffenen Vereinbarung 75 Köpfe stark bemessen.

Größere militärische Expeditionen sind erfreulicher Weise im Berichtsjahre nicht notwendig geworden. Im Anschlüsse an die vorjährige Expedition des Oberst­leutnants Pavel hat nochmals eine kriegerische Demon­stration gegen die unruhigen Bangwas stattfinden müssen. Eine 167 Köpfe starke Expedition unter Führung des Hauptmanns von Germar löste ihre Aufgabe in rund 5 Monaten,' und dieser Zeitraum ist auch nur deswegen erforderlich gewesen, weil es sich um äußerst unwegsames gebirgiges Gelände handelte und es vornehmlich galt, den Häuptling Fontem, welcher als die Seele des Wider­standes zu gelten hatte, zu fangen. Ein nennenswerter