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1904: 1902/1903
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Deutsch-Ostafrika.

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Brücke über den sonst kaum passierbaren Pangani bei Korogwe, durch welche erst ein lebhafter Verkehr des letztgenannten Ortes mit Useguha ermöglicht wird. Leider waren die Mittel angesichts der zu überwindenden Schwierigkeiten zu gering, um schon jetzt größere Wege­strecken so herzurichten, daß sie für einen Fährverkehr in Betracht kommen. Jedoch dehnt sich das von den Städten ausgehende Wegenetz allmählich immer weiter aus, und schon jetzt sind die segensreichen Wirkungen der ausgebauten Straßen bemerkbar. Sofort nach Fertigstellung eines Weges hebt sich der Anbau auf den Feldern, hier und da sieht man einen kleinen Laden oder einen primitiven Marktplatz, auf welchem die Erzeugnisse der Landwirtschaft an die Passanten abgesetzt werden. An einigen Orten haben sich bereits Inder mit kleinen Lastwagen versehen, mit denen sie die Erzeugnisse ihrer Landwirtschaft in die Stadt fahren. Auch europäische Kaufleute, die des Tages über im Kontor zu arbeiten haben, haben nunmehr Gelegenheit, sich in den Abendstunden zu Wagen vor die Städte zu begeben. Viele haben sich deshalb schon kleinere Pflanzungen angelegt, da sie nunmehr Gelegenheit haben, den Fortgang der Arbeiten selbst zu kontrollieren.

Die private Bautätigkeit war im Schutzgebiet noch Private Bautätigkeit keine nennenswerte. In Dar-es-Salum mußte der Kom­munalverband eingreifen, um für die sich andauernd steigernde Zahl der verheirateten Beamten entsprechende Wohnungen zu schaffen, da sich kein Privatunternehmer herbeiließ, ohne Mietsgarantie Häuser zu bauen. Der Kommunalverband wurde in diesem Bestreben in dankens­werter Weise durch ein Darlehn der Wohlfahrtslotterie unterstützt und konnte die Erbauung zweier Familien- wohnhäuser in Angriff nehmen.

VI. Die wirtschaftliche Entwicklung.

Produktions- und AbjahverlMniffe.

Die Ernte des Küstengebietes kann im ganzen als Ernteergebnis im Küsten befriedigend bezeichnet werden. Im Norden sowie im gebiet,

mittleren Küstengebiet war sie gut, im Süden blieb sie infolge Regenmangels hinter dem Mittel zurück. Wenn trotzdem die Ausfuhr von Landeserzeugnissen eine erheb­liche Zunahme zu verzeichnen hat, so ist dieser Erfolg der Vergrößerung der Anbauflächen und der intensiver be­triebenen Landwirtschaft der Eingeborenen zuzuschreiben.

Die Verteilung von ausgesuchtem Saatgut, insbeson­dere Kokospflänzlingen, Erdnüssen, Sesam, Baumwolle, besseren Mais- und Manioksorten usw., wurde an der ganzen Küste fortgesetzt und eine sachgemäße Anlage der Felder kontrolliert. Mehrere Kommunalverbände haben zu diesem Zwecke sogenannte Wirtschastsinspektoren an­gestellt, die während des größten Teils des Jahres im Lande umherzureisen haben, um die von Natur trägen Neger anzueisern und anzulernen. Allerdings wird dieses Verfahren jahrelang fortgesetzt werden müssen, ehe man erwarten kann, daß die Eingeborenen soweit erzogen sind, daß sie ohne Druck der Verwaltung mehr als das unbe­dingt zum Leben Notwendige anbauen. Einige dieser Wirtschastsinspektoren sind Zöglinge der Kolonial-Schule Witzenhausen.

Den Hauptsaktor zur Hebung derEingeborenproduktion sah das Gouvernement nach wie vor in der Heranziehung von Ackerbauern aus dem bevölkerten Inneren in die .Küstenstriche. Das zu diesem Zwecke von dem Kommunal- verbande Tanga begonnene Unternehmen der Ansiedelung der aus den Gegenden von Tabora stammenden Wanyam- wesi wurde im Berichtsjahre fortgesetzt und die Zahl der Ansiedler andauernd vermehrt.