Jahrgang 
1904: 1902/1903
Entstehung
Seite
246
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Deutsch-Südwestafrika.

246

Anlage I>. IV.

Misjionsberichte.

Rheinische Mission.

1. Allgemeiner Bericht über den Stand der Mission im Hereroland.

Trotz der großen Gleichgültigkeit und Abgestumpftheit unserer Leute ist auch in diesem Jahre, Gott sei Dank, nicht alles umsonst gewesen. Ich verweise hierbei auf die Statistik, die diesem Berichte beigefügt ist.

Freilich darf man, besonders im Hinblick auf die Qualität dessen, was erarbeitet ist, nicht den Maßstab anlegen, mit dein nran zu Hause mißt. Es gilt eben zu bedenken, daß unsere Arbeit hier immer noch Ansangsarbeit ist, trotzdem sie schon manches Jahrzehnt hindurch betrieben worden ist. Als solche muß sie angesehen werden.

Dann lernt man auch schätzen, was in dieser Zeit schon zuwege gebracht ist, besonders wer sich noch der früheren Verhältnisse zu erinnern weiß und es mit an­gesehen hat, aus welchem Sunrpf von Sünde und Schande unsere Eingeborenen herausgekommen sind.

Es sei mir vergönnt, hier aus die Entwickelung einer und zwar unserer neuesten Station Karibib hinzuweisen, die allerdings auch manches Betrübende zutage fördert. Missionar Elger schreibt:

Die Arbeit an den vielen aus allen Gegenden unseres Landes zusammengeströmten Leuten ist keine leichte. Freilich ist das Heidentum hier ganz gebrochen, soweit es den Aberglauben betrifft, heidnische Sittenlosig- keit ist aber an der Tagesordnung. Besonders Unzucht und Trunksucht herrschen in hohem Grade. Leider sind oft Weiße nicht allein schlechte Vorbilder in dieser Be­ziehung, sondern auch direkte Verführer. Venerische Krank­heiten haben in besorgniserregender Weise um sich ge­griffen." Über die Trunksucht schreibt er:Auch in Beziehung auf das Trinken der Leute gibt es viel zu klagen. Sehr bedauerlich ist es, daß es hier in weiten .Kreisen üblich ist, eingeborenen Arbeitern den Genuß von Branntwein regelrecht anzugewöhnen, indem man ihnen ein- oder zweimal wöchentlich ein sogenanntesSnppy" gibt. Wenn nran dann oft in den schwarzen Familien bitterer Not begegnet und geradezu trostlose Wohnungs­verhältnisse antrifft, dann möchte man Wohl Mittel an der Hand haben, das in Branntwein angelegte Geld für bessere Zwecke verwenden zu können," usw. Ein von Missionar Elger in der Eingeborenengemeinde gegründeter Enthaltsamkeitsverein (Blaues Kreuz") ist mit seiner Tätigkeit bisher leider nur in bestimmte Kreise gedrungen und zählt etwas über 30 Mitglieder. Aber gerade von diesen Schwarzen wurde schon mehrfach hervorgehoben, wie wünschenswert es wäre, wenn der Suppywirtschaft ein Ende gemacht würde, damit in sozialer und moralischer Beziehung bessere Zustände eintreten möchten.

In der Schule gab es, besonders durch die an­haltende Dürre, worüber fast alle Missionare klagen, manche unliebsame Störungen im vergangenen Jahre. Die Leute sahen sich gezwungen, nicht nur ihres Viehes, sondern auch ihres eigenen Unterhaltes wegen aus kürzere oder längere Zeit die Station zu verlassen, was im Blick auf den Unterricht der Kinder sehr schädlich ist. Trotzdem