Anlage 6 II.
Schulberichte.
1. Regierungsschule zu Lome.
In der Zeit vom 1. April bis 15. Juli 1902 befand ich mich in der Regierungsschule zu Sebbevi, um mich in das Wesen der Schule und Sprache einzuarbeiten und einen tüchtigen Gehilfen und Dolmetscher für die künftige Schule in Lome heranzubilden. Dieser Gehilfe wurde in Franz Mensah, einem tüchtigen Schüler aus Sebbevi, gefunden und vom Kaiserlichen Gouvernement in Lome für den Schuldienst angestellt. Anfangs August trafen die Schulmaterialien aus Deutschland ein, zwei Klassen wurden eingerichtet, und am 25. August konnte die neue Schule mit 17 Schülern eröffnet werden.
Der Anfang mit zwei Klassen empfahl sich aus dem Grunde, weil einige Schüler, welche bis dahin die Missionsschulen besucht hatten, schon einigermaßen lesen, schreiben und rechnen konnten und notdürftig deutsch sprachen, sodaß beim Unterricht der Dolmetscher nicht nötig war. Von den 17 Schülern besuchten 7 die Klasse der Geförderteren (I. Klasse) und 10 die Klasse der Anfänger (II. Klasse). Auch konnte gleich zu Ansang mit der Einrichtung von Abteilungen begonnen werden, weil bei einigen Schülern schon geringe Vorkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen vorhanden waren. Leider erlitt der Unterricht eine beständige Störung durch Zu- und Abgänge, ebenso durch längere Beurlaubungen. Jedoch soll diesem Ubelstande durch Errichtung eines Alumnats, wie es in der Regierungsschule zu Sebbevi bereits besteht und sich auch bewährt hat, abgeholfen werden.
Am Ende des Berichtsjahres betrug die Schülerzahl 24. Davon entfielen aus die I. Klasse 6 und aus die II. 18.
Der Unterricht wurde in beiden Klassen gleichzeitig erteilt und zwar vormittags von 9—12 und nachmittags von 3—4 Uhr. In der I. Klasse wurde der Unterricht in Deutsch, (deutsche Sprache, Lesen, Schreiben, Diktat) Rechnen, Schönschreiben, Zeichnen und Geographie erteilt, während für die II. Klasse Deutsch (deutsche Sprache, Lesen, Schreiben, Anschauungsunterricht, Diktat) und Rechnen in Betracht kommen konnte. Im 2. Halbjahre kam für die I. Abteilung dieser Klasse noch Schönschreiben hinzu.
Der im Berichtsjahr eingehaltene Lehrgang war etwa folgender:
Der Unterricht im Deutschen wurde bei den Anfängern nach der in preußischen Volksschulen üblichen, Schreib-Lesemethode erteilt. Bevor zu grammatischen Übungen geschritten werden konnte, mußten die Schüler über eine größere Menge deutscher Wörter verfügen, deren Erlernung und Übersetzung somit das erste Pensum im Sprachunterricht bildete. Hierbei wurde die alte Regel beachtet: „Vom Leichten zum Schwereil, vom Rahen zum Fernen, und vom Einfachen zum Zusammen-