Periodicaltome 
Bd. 2 (1911)
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99
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Deutsch-Ostafrika

1. Allgemeine Äbersicht

I. Geschichte der geographischen Erschließung und der Erwerbung durch

das Deutsche Reich.

on den Gestaden des Indischen Ozeans landeinwärts bis zu den

großen innerafrikanischen Seen, vom Viktoria-Njansa im Norden

(l.o s. Br.) bis znm Rowuma im Süden (11 ° s. Br.) dehnt sich die größte der deutschen Kolonien, Deutsch-Ostafrika, über eine Flüche von 995 000 qüm aus*).

Mit allen am Rande des Indischen Ozeans gelegenen Ländern des afri­kanischen Kontinents hat der deutsche Teil des tropischen Ostafrika jene Vor­züge gemein, die sich aus dieser geographischen Lage ergeben: mannigfache und bedeutungsvolle Beziehungen zu den uralten vorderasiatischen Kultur­zentren Indien und Arabien. Eine Reihe von Faktoren aber zeichnet unsere Kolonie gegenüber anderen Teilen der äquatorialen Ostküste Afrikas aus. Zunächst liegt Deutsch-Ostafrika an derjenigen Stelle, wo der Indische Ozean am weiresten in das Festland eingreift; hier findet sich zugleich eine reichliche Gliederung durch Inseln und Buchten, die in Anbetracht der geringen Küsten- entwicklung des massigen, geschlossenen afrikanischen Kontinents einen wesent­lichen Vorteil bedeutet, und endlich reichen jene periodisch ihre Richtung umkehrenden Winde, die Monsune, die für den Verkehr auf dem Arabischen Meer von so großer Bedeutung sind, gerade noch bis nach Deutsch-Ostafrika hinein. Seit den ältesten Zeiten bildete daher das heutige Deutsch-Ostafrika mit dem ihm vorgelagerten Jnselkranz die natürliche Eingangspforte nach Ostafrika überhaupt.

Im dritten Jahrtausend v. Chr. hatte, analog der arischen Völkerwan­derung, eine Ausstrahlung semitischer Stämme vom Persischen Golf aus statt­gefunden. Der eine Teil dieser Urpuner gründete in Südarabien mächtige Stammesreiche und drang von hier aus erobernd nach Ostafrika vor. Zu einer dauernden Niederlassung semitischer Völkermassen, der Gründung eigent­licher arabischer Städte, ist es damals allerdings wohl nicht gekommen; immer­hin entwickelte sich aber aus dieser ersten semitischen Invasion ein reger Handelsverkehr, der Ostafrika für die Folgezeit in dauernde Beziehungen zu Südarabien brachte. Gold, Elfenbein und vor allem Sklaven waren die­jenigen Kostbarkeiten, die Ostafrika zum Zielpunkt der arabischen und per­sischen Handelsunternehmungen bereits im Altertum machten.

*> Das Deutsche Reich umfaßt 541000 ykm, mithin nicht viel mehr als die Hälfte des ff-lächen- ranmes von Dentsch-Ostafrika.