zierliche, entzückende Feinheit der alten Stücke ist dahin. Nur Flechten und Schmieden sind noch wenig von europäischem Einfluß berührt.
Für die Flechtarbeiten bietet einstweilen kein europäisches Produkt Ersatz, im Gegenteil können hier wie in Ost-Afrika oder in China geflochtene Matten, Körbe und Borten einmal Massenwaren der Ausfuhr werden. In dem ausgezeichneten Rohr des Rotang 1 in den Waldsümpfen von Jakong und südlich von Tibati 2 besitzen wir einen dem Stuhlrohr ähnlichen Rohstoff; die Station Joko hat 1912 von Tikarleuten aus Jakong, die in Jaunde von einem Gewerbelehrer der amerikanischen Mission in Süd-Kamerun ausgebildet wurden, sehr schöne und bequeme Korbmöbel herstellen lassen (Tafel 19, Abbildung 2), die mit den durch Seefracht und Landtransport sehr verteuerten Madeira-Möbeln im Innern der Kolonie jeden Wettbewerb aushalten können.
Das Schmiedehandwerk hat wohl etwas nachgelassen, seitdem im Frieden der deutschen Herrschaft nicht mehr so viele Waffen gebraucht werden; doch zieht der Neger die im Land aus seinem Eisen geschmiedete Axt und Hacke bei weitem den eingeführten europäischen Werkzeugen vor, die meist aus recht schlechtem Metall gegossen sind. Nur das breite lange Haumesser hat überall rasch Eingang gefunden; es genügt zum Umhauen von Gras und Hirsehalmen und zum Fällen von nicht zu großen Bäumen, ist billiger als das selbstgeschmiedete Schwert und praktischer als der einheimische Dolch.
Handel
Keines der im Ost-Mbamland ansässigen Völker ist ein Händlervolk. Kein Tikar oder Wüte, kein Bati oder Fuk geht als Händler mit den Produkten seines Landes in andere Länder, um sie dort zu verkaufen; keiner holt etwas, das im eigenen Land fehlt, von weit her. Tikar, Bati und Fuk sind nur Hackbauern, die an der Scholle kleben; der Wüte war immer nur Krieger, der alles ihm Erreichbare mit Gewalt nahm. Stets haben nur Fremde den Handel in das Land hinein getragen, Händler, die zumeist aus großer Ferne kamen, ihre Güter brachten und die Produkte des Landes dafür eintauschten.
Der Handel der Einheimischen unter einander
Die Agrarverfassung der Tikar, nach der Ödland Gemeindebesitz ist, das jeder Dorfgenosse in Kultur nehmen darf, und die despotische Herrschaft der Wüte, die alle Unterworfenen als Sklaven die Feldarbeit tun ließen, machen den Markt mit Lebensmitteln überflüssig, der im westlichen Grashochland die Grundlage des Handels bildet.
Nur in ganz geringem Maß findet Handel innerhalb der Dörfer statt. Als eine Ausnahme muß der Hausierhandel gelten, der von den Weibern in Beng- beng mit selbst verfertigten, ganz besonders großen und festen Ton-Töpfen in
1 Calamus sp.
* Vergl. 1. Teil, S. 68.