Teil eines Werkes 
T. 2 (1916) Anthropogeographie des Ost-Mbamlandes
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

Die menschliche Wirtschaft

Landwirtschaft in der Form des afrikanischen Hackbaus

Die ganze Bevölkerung des Ost-Mbamlandes bebaut den Boden, selbst die früher nur von Sammeltätigkeit lebenden Pygmäen sind zur Feldbestellung übergegangen 1 . Auch die wenigen hamitischen Fullah in Tibati leben in der Hauptsache von Erzeugnissen der Landwirtschaft im engern Sinn; die Viehzucht, die früher, in anderer Gegend, als Haupternährungszweig Milch und Milchprodukte lieferte, spielt heute in Tibati nur eine untergeordnete Rolle im Wirtschaftsleben.

Klimatische Bedingungen

Die landwirtschaftliche Tätigkeit ist ganz dem Klima angepaßt, sie ist wie das Klima periodisch, ist an die Regenzeit gebunden und erhält nur durch die Niederschläge das nötige Wasser 2 . Während der Trockenzeit be­baut der Mensch die Felder gar nicht, er lebt von den Vorräten der letzten Ernte.

Der Wasserhaushalt ist der periodischen Feldbestellung verhältnismäßig günstig; die Trockenzeit ist kurz, die Übergangszeit, in der nur ab und an ein starker Regenguß, meist bei einem Wirbelsturm fällt, ist lang, die eigentliche hohe Regenzeit ist wieder verhältnismäßig kurz. Im Lauf der ganzen langen feuchten Jahreszeit fallen oft und reichlich Niederschläge, aber die Verdunstung ist auch noch immer sehr stark. So kommt es auch in wenig geneigtem Gelände nicht dauernd zu so starker Versumpfung großer Flächen, daß dadurch Ackerbau unmöglich würde. Die Äcker werden auch meist so angelegt, daß sie selbst in der höchsten Regenzeit nicht wirklich versumpfen können.

Hackbau

Ackerbau mit Pflug und Zugtier in unserm Sinn betreibt der Eingeborene des Ost-Mbamlandes so wenig wie der des übrigen tropischen Afrika. Der Neger kennt weder bei der Bestellung noch bei der Ernte die Verwendung von Haus-

1 Vergl. 1. Teil. S. 95.

2 Hettners Ausführungen in dengeographischen Bedingungen der menschlichen Wirtschaft (Grundriß der Sozialökonomik, Abt. II, I. Buch B. I, S. 28), daß in tropischen Savannen Anpflanzungen an das fließende Wasser, an Erbohrung des Grundwassers oder an andere Bewässerung gebunden seien, gelten nicht so allgemein für alle periodisch trocknen Tropenländer.