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1911: 1909/1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
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VII. Samoa.

Andere den Tropen eigentümliche Erkr a n kun- gen. Es sind beobachtet worden: Ulcera tropica, die mit Vorliebe auf unbeachtet gebliebenen Hautverletzungen entstehen, aber auch anscheinend spontan ihre Infektionspforte finden; je ein Fall von tropischem Phagedaenismus, Dermatitis nodosa tropica und venerischem Granulom. Stark erinnerte eine Anzahl von Fällen an Ground itch. Es waren stets zarte Gänge an der seitlichen Fußhaut oder dem Fußrücken chinesischer Kontraktarbeiter, seltener von Sa- moanern, wie sie durch das Einwandern der Ankylostomenlarven hervorgerufen sein könnten. Unter den mit dem Geschwader vor­übergehend nach Samoa gekommenen melanesischen Polizeisoldaten wurden eine Anzahl Tinea imbricata-Fälle gesehen. Die Tinea imbricata ist hier häufig unter den schwarzen Arbeitern der D. H. P. G. Sonst habe ich nur einen einzigen Fall, einen Samoaner aus Savaii betreffend, gesehen; Herpes tonsurans dagegen ist unter Chinesen, weniger unter Samoanern recht verbreitet.

Chronische Gesichtshauterkrankung, hervorgerufen durch eine Milbe: Entstanden im tropischen Westafrika, seit Jahren bestehend. Symptome: subjektiv Jucken und bohrendes Gefühl, namentlich zur Nachtzeit, so daß die Fingernägel im Halbschlafe zum Kratzen be­nutzt wurden. Objektiv: bis bohnengroße, langsam nach einer oder der anderen Seite der Peripherie fortschreitende, im Zentrum und auf dem Rande unter Bildung einer dünnen glänzenden Narbe und unter Haarverlust ausheilende, oberflächliche Herde von Gesichts­hautauflockerungen, durch Kratzeffekte maltraitiert, mit Serum­borken überdeckt.

Aus ausgezogenen Bartstummeln und Epidermisbröckeln, in denen Eier nie erkannt wurden, kamen im Taschenmikroskop des Patienten, der sich selbst seit langem beobachtete, nach ungefähr neuntägiger Einlagerung die Milbenlarven zur Entwicklung.

B. Veterinär wesen.

Im November 1909 erkrankte auf einer Pflanzung unerwartet und unerklärlich in rascher Reihenfolge ein erheblicher Prozentsatz besten Rindviehes mit allgemeinen Lähmungserscheinungen und ging bis auf eines rasch ein. Es konnte nachgewiesen werden, daß es sieh nicht um eine der von den Interessenten gefürchteten Seuchen (Milz­brand, Texasfieber, Rinderpest) gehandelt hatte, vielmehr scheint eine Pflanzenvergiftung nach Art der Strichninintoxieation (vielleicht Asclepias Sp. nach Mitteilung des Pflanzenpathologen) Vorgelegen zu haben.