Jahrgang 
1911: 1909/1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
183
Einzelbild herunterladen
 

Fleischbeschau. Tierzucht.

183

größeren Parasiten, und aus einer Öffnung drangen darmähnliche Gebilde, die, wie die mikroskopische Untersuchung ergab, mit klein­sten Körnchen und größeren eiähnlichen Gebilden angefüllt waren. Die größeren Parasiten sind also Weibchen.

Mehrmals wurden im Labmagen von ganz gesunden Antilopen Strong. contortus gefunden.

V. Tierzucht.

Bei der Hebung der Tierzucht im Schutzgebiet muß berück­sichtigt werden, ob es sich dabei um die in den Händen der Euro­päer oder der Eingeborenen befindlichen Haustiere handelt. Der weitaus größte Teil der Tierbestände ist in Besitz der Eingeborenen. Aus diesem Grunde und auch des Umstandes wegen, daß die Tier­zucht der Farmer sich auf der der Eingeborenen aufbaut, w r eil jene bei Bestellung ihrer Farmen auf diese Bestände angewiesen sind, hat die Hebung des letzteren eine große Bedeutung für das Schutz­gebiet.

a. Tierzucht der Eingeborenen.

Tn den nachfolgenden Ausführungen soll speziell die Rinder­zucht besprochen werden.

Die hiesigen Rinder gehören zum kleineren Teil dem großhörnigen, buckellosen Mtussirinde (Ruanda, Urundi), zum größeren dem kurz- hornigen, mit einem starken Höcker ausgestatteten Zeburinde an. Letzteres ist nahezu über das ganze Schutzgebiet verbreitet. Bei der Entlegenheit und vorläufigen Abgeschlossenheit von Ruanda, Urundi sind die dortigen Rinderbestände zweckmäßig noch nicht in den Bereich der Zuchtbestrebungen einzubeziehen, und sie werden bei den folgenden Erörterungen daher nicht berücksichtigt w r erden.

Die Zeburinder in den verschiedenen Gegenden des Schutz­gebiets weichen in bezug auf Größe und Form sehr voneinander ab. Bedingt ist diese Erscheinung sowohl durch die klimatischen und Weideverhältnisse, als auch durch die mehr oder minder vorhandenen bzw. fehlenden Zuchtbestrebungen der Eingeborenen. Die Beobach­tung, daß das Tier das Produkt der Scholle ist, kann wohl nirgends mit mehr Berechtigung angewandt werden als im Schutzgebiet, wo es lediglich auf das angewiesen ist, was die Natur ohne menschliche Hilfe hervorbringt, und wo Zufütterung in irgend einer Form nicht stattfindet. Wir werden daher in den für Tierzucht geeignetsten Gegenden auch die besten Tiere finden. Daneben ist eine Einwirkung der Zuchtbestrebungen der Eingeborenen oft deutlich zu erkennen. Diese Bestrebungen erstrecken sich allerdings nur auf die Auswahl der ihnen geeignet und der Kastration der ihnen zur Zucht nicht geeignet erscheinenden Tiere. Eine Auswahl der weiblichen Tiere findet nirgends statt.

Mit der Rinderzucht bzw. Haltung in zwei verschiedenen Ge­bieten sowie über Vorschläge zu ihrer Hebung befassen sich die beiden folgenden Berichte.