C. Marshall-Inseln 'Jaluit).
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C. Marshall-Inseln (Jaluit).
Berichterstatter Dr. Braunert übernahm den ärztlichen Dienst am 17. März 1912. Der Bericht ist nach hinterlassenen Aufzeichnungen des Vorgängers, Dr. Born, angefertigt worden.
Im zweiten und dritten Vierteljahr des Berichtsjahres herrschte eine ungewöhnliche Trockenheit, die eine große Knappheit an Wasser zur Folge hatte. Darunter litt die Behandlung der Hautkrankheiten, da warme Bäder nur in beschränkter Zahl gegeben werden konnten. Diesem Übelstande wird nunmehr abgeholfen, da 2 große Zisternen für den Kranken- und Poliklinikbetrieb im Bau begriffen sind.
Die von Dr. Born geplante Krankenhausanlage wurde im November 1911 auf dem Gelände in der Nähe der alten Leprastation zu bauen begonnen. Leider vernichtete ein Taifun den ziemlich vorgeschrittenen Bau im Januar 1912. Es wurde dann die Krankenhausanlage auf dem Gelände vor der Wohnung des Arztes am Oststrande der Insel aufgeführt. Zur Zeit sind 2 Gebäude nahezu fertig, die nach dem Plane als Krankenhäuser dienen sollen.
Mit dem Bau der zur Krankenhausanlage gehörigen Poliklinik ist noch nicht begonnen worden, da hinsichtlich des Platzes noch keine definitive Entscheidung getroffen ist.
Behandelt wurden im Etatsjahre 95 Europäer.
Todesfälle sind unter den ansässigen Europäern nicht zu verzeichnen ; 1 Kind wurde geboren.
Im Dezember 1911 traf S. M. S. Cormoran von Apia ein und landete 7 an Typhus abdominalis erkrankte Leute, die ins Europäerhospital aufgenommen wurden. Davon starb einer an profuser Blutung aus den Schleimhäuten der Nase und des Mundes trotz Anwendung von Tamponade, Kochsalzinfusion und Gelatineinjektion. Glücklicherweise ist es gelungen, die Ausbreitung der Krankheit auf den Marshall-Inseln zu verhüten.
Ein weiterer trauriger Fall war die Erkrankung des hiesigen Polizeimeisters an Paranoia persecutoria.
Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit wurde er auf der der Regierung gehörigen Insel Enibero in Gewahrsam gehalten, bis er am 28. Januar mit der »Germania« unter Begleitung nach Hause gesandt werden konnte.
An Eingeborenen wurden 1066 behandelt.
Von epidemieartig auftretenden Krankheiten wären zu bemerken:
1. Eine akute Conjunctivitis. Dieselbe trat in den ersten Tagen sehr stürmisch auf, heilte aber unter der üblichen 2% Argentumbehandlung glatt und reaktionslos ab.