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1915: 1911/12 / hrsg. vom Reichskolonialamt
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Gesundheitsdienst.

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Auch Tuberkulose der Lungen ist in 3 Fällen bei Farbigen konstatiert worden und kommt allem Anschein nach im Bezirk schon mehrfach vor. Über die Infektionsquelle dieser 3 Fälle war nichts in Erfahrung zu bringen.

Der Gesundheitszustand der europäischen Zivilbevölkerung war im Berichts­jahr nicht besonders gut. Fast alle Europäer erkrankten mehrmals an Malaria, mehrere auch an Recurrens, darunter einer sehr schwer.

Venerische Krankheiten kamen auch bei Europäern oft vor, vor allem Gonorrhöe.

Ein Zivilbeamter mufite wegen beginnender Lungentuberkulose als dauernd tropendienstunfähig nach Deutschland gesandt werden.

15. Gesundheits- und Krankendienst bei größeren privaten Unternehmungen.

A. Über die Tätigkeit des Gesundheits- und Kranken­dienstes beim Bau der Mittellandbahn vom ib. März 1911 bis 15. März 1912.

Berichterstatter: Dr. Lenz.

In den Organisations- und Personalverhältnissen des Gesundheits­dienstes sind im verflossenen Jahre keine wesentlichen Änderungen eingetreten. Gegen Ende des Jahres machte sich der Umstand fühl­bar, daß der Hauptschwerpunkt der Arbeiten sich weit von der Haupt­niederlassung des Gesundheitsdienstes entfernt hatte, so daß die Auf­nahmen im Europäerhospital im Vergleich zu der allgemeinen Er­krankungsziffer der Europäer zurückgingen. Mit dem Abschluß des Berichtsjahres begann die Übersiedelung des Gesundheitsdienstes nach Tabora.

Auch in bezug auf die allgemeine Arbeiterhygiene ist dem im vorigen Jahre Berichteten wenig hinzuzufügen.

Die Unterbringung der Arbeiter war die übliche in Grashütten.

Die Wasserverhältnisse waren in den einzelnen Teilstrecken sehr verschieden. Eine Strecke von 37 km Länge war auf eine Wasserstelle angewiesen, anderwärts mußte Wasser aus Tümpeln mit Seitenentnahme geschöpft werden.

Die Reinhaltung der Lager, der Schutz der Wasserstellen vor Infektion, die Anlage der Latrineneinrichtungen wurden vom Gesund­heitsdienst nach Kräften beaufsichtigt. Der passive Widerstand der schwarzen Klientel und der daraus folgende der Lhiternehmer er­schwerte die Durchführung dieser Maßregeln.

Die Versorgung der Arbeiter mit Nahrungsmitteln wurde besser mit der Annäherung an die reichlicher produzierenden Länder von Unyamwezi. Der früher häufig bemerkte schädigende Einfluß der einseitigen und vielen Eingeborenen ungewohnten Reisnahrung wurde dadurch eingeschränkt, und die früher oft dadurch verursachten Er­krankungen der Verdauungsorgane ließen in bemerkenswerter Weise nach.

Die Hospitaleinrichtungen für Europäer und für Schwarze in Dodoma haben sich im allgemeinen bewährt. In bezug auf die Ein­zelheiten kann auf den vorjährigen Bericht verwiesen werden. Die