Jahrgang 
1908: 1906/1907
Entstehung
Seite
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L. Die katholische Mission im Berichtsjahr LS 06 /VV.

Das katholische Missionspersonal zählt zusammen 48 Personen, und zwar 20 Patres, 18 Laienbrüder, 10 Schwestern in 10 Stationen.

Die Tätigkeit der Herren Patres erstreckt sich auf die Pastoration der Weißen, die Leitung von Schulen und die Missionierung von Eingeborenen.

Die Laienbrüder besorgen die materiellen Arbeiten. In den Werkstätten der beiden Missionshäuser in Groß- und Klein-Windhuk bilden sie auch farbige Knaben zu Handwerkern aus.

Die Schwestern üben Krankenpflege aus im Gar­nisonlazarett, in einem Privatkrankenhause, das von der Zivilbevölkerung gern in Anspruch genommen wird, und unterstützen unsere Missionstätigkeit.

Auf jeder Missionsstation ist ein farbiger Schullehrer angestellt.

Zu den bestehenden Stationen sind im Berichtsjahre zwei neue hinzugekommen: Omaruru und Okombahe. Die erste Anregung, in Okombahe eine Niederlassung zu gründen, ist von dem dort wohnenden Kapitän Kor- nelius ausgegangen. Mehreremale hat Kornelius mir persönlich den Wunsch ausgedrückt, auf seiner Werft eine Mission zu gründen, damit die Kinder seiner Leute in nützlicher Arbeit und in der Schule unterrichtet würden. Die Missionsstation in Omaruru verdankt ihre Gründung dem formellen Wunsche der dort ansässigen Bevölkerung. Unter den Bittstellern stehen auch Namen von Protestanten. Die Mission hat so gut eingeschlagen, daß sowohl der Bau eines bescheidenen Kirchleins als auch der einer Ein­geborenenschule Bedürfnis geworden sind. Beide Bauten stehen vollendet da.

Die Station in Epukiro, die im Aufstande zerstört worden war, ist an einem gesunderen Platze und größer aufgebaut worden. Die Missionsgärten und jene, die den Eingeborenen überwiesen sind, haben eine starke Ver­größerung erfahren. Die diesjährigen Ernten sind recht gut ausgefallen.

Die katholische Mission leitet: 2 höhere Privat- (Knaben- und Mädchen-) Schulen in Windhuk, 2 Volks­schulen in Usakos und in Omaruru, 10 Schulen für Ein­geborene und 2 Handwerkerschulen in Groß- und Klein- Windhuk. Die Werkstätten haben bis November ein recht erfreuliches Bild geboten. Die darin lernenden Knaben waren nicht nur ein ausgesuchtes, sondern auch ein recht gelehriges Arbeitspersonal. Durch behördlichen Beschluß sind leider 16 Knaben aus der Handwerkerschule heraus­genommen und alsBambusen" an andere Herren ge­geben worden.

Während den höheren und den Volksschulen der Lehrplan der staatlichen Schulen zugrunde liegt, befolgen wir in den Eingeborenenschulen einen Unterrichtsplan, der den Knaben das Wissenswerte in einem Zeitraume von drei Jahren beibringen soll. Nach ihrer Ausbildung sollen von diesen Jungen die Gelehrigen als Hausjungen abgegeben werden. Die Ausbildung der Mädchen, die von den Schwestern besorgt wird, liegt in der Haupt­sache auf dem Gebiete der häuslichen und weiblichen Arbeiten.

Eine besondere Fürsorge haben wir in diesem Jahre den halbweißen Kindern geschenkt durch die Erbauung eines doppelflügeligen Internates in Klein-Windhuk. Die Kinder genießen unter individueller Berücksichtigung ihrer intellektuellen Begabung einen ihnen passenden Unterricht in Schule und Werkstatt.

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