Jahrgang 
1908: 1906/1907
Entstehung
Seite
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VI. Wirtschaftliche Entwickelung.

Allgemeines.

Mit der fortschreitenden Niederwerfung des Aufstandes und der Verminderung der Schutztruppe veränderte sich das Wirtschaftsleben. Dem Kaufmann, der in den letzten Jahren dem Lande das Gepräge aufgedrückt hatte, trat jetzt der Farmer gegenüber. Manche Geschäfte, die der Aufstand ins Leben gerufen hatte, sind verschwunden und es ist dem gesunden Sinne der hiesigen Kaufmannschaft zuzu­schreiben, daß die im vorigen Jahresberichte ausgesprochenen Befürchtungen einer Krisis nicht eingetreten sind.

In Zukunft wird sich auch noch mancher Wandel vollziehen müssen, ehe wieder normale Verhältnisse ein­treten. Am meisten waren die Hafenstädte Lüderitzbucht und Swakopmund dem Wandel unterworfen, während er sich im Innern weniger bemerkbar machte, weil dort die Einwanderung und die zahlreichen neuen Ansiedler ein gewisses Äquivalent für die Verminderung der Schutz­truppe boten. Die gesicherte Fortsetzung der Bahn bis Keetmanshoop gewährleistet Lüderitzbucht für etwa zwei Entwickelung von Luders- Jahre einen verhältnismäßig regen Verkehr und mildert bucht,

damit den mit der Zurückziehung des größten Teils der Truppen sich vollziehenden Rückgang in Handel und Ge­werbe. Gleichzeitig ist mit der Wetterführung der Bahn bis Keetmanshoop für die Zukunft den: Hafenplatze Lüderitzbucht der Süden des Schutzgebietes als Verkehrs­gebiet gesichert.

Den: Fortschritt des Bahnbaues entsprechend haben sich innerhalb des Distrikts Lüderitzbucht im Berichtsjahre große Verschiebungen vollzogen. Während sich im An sang alles Leben in Lüderitzbucht selbst abspielte und daneben nur das am 1. Juli 1906 von Bethanien los­getrennte und dem Distrikt zugeteilte Kubub als größerer Etappenort in Betracht kam, führte die Eröffnung des Betriebes nach den Stationen Kolmanskop, Rotkuppe,

Garub, Klein-Aus und Aus zu teilweiser und schließlich gänzlicher Verlegung des Transportwesens von Lüderitz­bucht. Regelmäßig entwickelte sich an der jeweiligen llber- gangsstation vom Bahn- zum Frachtwagenverkehr eine lebhafte Zeltstadt, die dann eben so rasch wieder ver­schwand, wenn die nächste Station eröffnet wurde. Eine Bild S Ausnahme hiervon macht nur Aus. Als ursprünglicher ^

Endpunkt, Padkreuzungspunkt und erste und dabei er­giebige Wasserstelle wird es immer eine gewisse Bedeutung behalten. Es ist deshalb ein Bebauungsplan für den Ort aufgestellt und der Platz erst dann zur Be­bauung freigegeben worden. Im Lause weniger Wochen hat sich darauf eine kleine Ortschaft mit Läden, Gast­höfen, Bäcker, Fleischer und Barbier entwickelt.

Naturgemäß nahm der Geschäftsverkehr im Orte Lüderitzbucht in dem Maße ab, als Bahnbauspitze und Transportwesen nach dem Innern zu fortschritten, aber der Geschäftsverkehr im Innern und die Einrichtung von Zweiggeschäften in Aus boten den Geschäften einigen Ersatz, ebenso wie die Truppenheimsendungen für die weg­gefallenen Truppenaussendungen eintraten.

In Lüderitzbucht fanden im allgemeinen Kaufleute,

Handwerker und Gastwirte lohnenden Verdienst. In der ersten Hälfte des Berichtsjahres war der Geschäftsgang ein glänzender, dann wurde er stiller.

Arbeitslosigkeit unter Weißen trat nur vereinzelt auf.

Entweder handelte es sich um Leute, die nirgends aus­hielten oder um kontraktbrüchige Vertragsarbeiter der Woermannlinie oder der Bahnbaufirma, die nun nirgends Arbeit erhalten konnten. Was noch an Arbeitslosen vor­handen war, hat jetzt Arbeit beim Weiterbau der Bahn gefunden.

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