Derttfch-Ostafrika.
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Abgesehen von einem nicht umfangreichen Auftreten von Masern in Daressalam und bei Muhesa ist das Schutzgebiet von Epidemien verschont geblieben.
I V. Schulen und Missionen.
a) Schulen.
Sowohl die von den Kommunalverbänden unterhaltenen Regierungsschulen wie die von den meisten Missionsgesellschaften eingerichteten Missionsschulen hatten in ihrer Tätigkeit erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen.
Die Regierungsschnlen zerfallen in Haupt- und Handwerkerschulen unter europäischen Lehrern, die mit farbigen Hilfskräften arbeiten, und Hinterland- oder Außenschulden, die von farbigen Lehrern geleitet werden. An den ersteren waren im Berichtsjahre 8 Lehrer und 4 Handwerkerlehrer sowie 57 farbige Hilfslehrer, an den letzteren 52 farbige Lehrer tätig' die Schülerzahl betrug 1522 und 2155, insgesamt 3677 Köpfe.
Die Schulen sehen ihre Aufgabe gleichermaßen im Unterricht wie in der Erziehung. Es wurden Schreiben, Lesen, Rechnen und Zeichnen, sowie gewisse Grundzüge der Geographie und Naturkunde gelehrt' überall wird eine möglichst praktische Ausbildung erstrebt, um die Schüler zu befähigen, später als Angestellte der Verwaltung oder europäischer Unternehmungen sowohl wie als Privatleute Gesehenes und Gehörtes selbständig in kurzen Berichten zu Papier zu bringen und im Verkehr des täglichen Lebens mit den Münzen, Maßen und Gewichten des Landes sicher umgehen zu können. Bedeutet das erstere einen wesentlichen Vorteil für die Lokalverwaltung, so wird das letztere den Neger allmählich in den Stand setzen, sich der Übervorteilung durch die ge- schäftsgewandten Inder zu entziehen. Nur auf diesem Wege wird es später möglich sein, die großen Gewinne, die heute durch die indischen Händler dem Schutzgebiet alljährlich entzogen werden und ins Ausland stießen, einem einheimischen Zwischenhandel, möge er nun von Eingeborenen oder Europäern betrieben werden, zuzuwenden.
Die Schulsprache bildet das im ganzen Schutzgebiet bekannte und vielen Stämmen mehr oder minder geläufige Kisuaheli. Das Deutsche, das in allen Hauptschulen gelehrt wird, vermag jedenfalls vorläufig das Kisuaheli noch nicht zu ersetzen. Die Gefahr, daß sich mit dem in der Schule gelehrten Kisuaheli der Islam verbreite, liegt nicht mehr vor, seitdem der Einfluß des Araber- tums zurückgeht und das Kisuaheli auch schon von Angehörigen solcher Stämme beherrscht wird, in deren Gebiet kaum ein einziger Mohammedaner lebt.
Neben dem Unterricht ist die Erziehung, die den Knaben (Mädchenschulen werden nur von den Missionen unterhalten) zu Teil wird, für die Entwickelung der eingeborenen Bevölkerung von höchstem Wert. Durch straffe Disziplin werden die Schüler an Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit und Gehorsam gewöhnt, Eigenschaften, die sehr bald den Besucher der Schule vor gleichaltrigen Genossen vorteilhaft auszeichnen.
In dem Betriebe der Handwerkerschulen sind erhebliche Änderungen gegen das Vorjahr nicht eingetreten.
Die meisten Missionsgesellschaften haben im Berichtsjahre den Umfang ihres Schulbetriebes bedeutend erweitert und bei ihren Lehrplänen die in den Regierungsschulen geltenden Grundsätze, die ihnen mitgeteilt wurden, in dankenswerter Weise berücksichtigt. Die Zahl der Missionsschulen, in denen Deutsch gelehrt wird, hat sich vermehrt; von einigen ist auch Kisuaheli in den Lehrplan aufgenommen worden. Mehreren Schulen konnten für