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1903: 1901/1902
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Anlage v.M.

Deutsch-Südwest-Afrika.

Für den Unterricht in den Realien ist für die Ober­stufe das Realienbuch von Kahnmeyer L Schulze maßgebend. Zur Veranschaulichung sind Bilder an­geschafft worden.

Zeichnen wird nach dem Lehrgänge von Stuhl­mann gelehrt.

Im Gesangunterricht werden nur einstimmge Lieder geübt. Der Prozentsatz der stimmbegabten Kinder ist sehr gering.

Der Religionsunterricht liegt für die evangelischen Kinder (23) in den Händen des Herrn Pastor Lizenziat Anz und für die katholischen (2), in denen der katholischen Mission.

Was die Methode in den verschiedensten Fächern anbelangt, so ist es selbstverständlich, daß bei den hiesigen überaus schwierigen Verhältnissen von einer streng durch­geführten Methode nicht die Rede sein kann. Sie richtet sich im Allgemeinen nach den Vorschriften, die hinsichtlich der Methode in den deutschen Volksschulen gelten.

Nachstehend ist ein Verzeichniß der Kinder nach ihrer Abstammung und Zugehörigkeit zu den verschiedensten Stufen und Unterrichtsfächern aufgeführt.

Verzeichniß der Kinder nach Abstammung und Zugehörigkeit zu den Abtheilungen.

Stufen

Deutsche s

Buren s

8

n

LS

Evangelisch j

Katholisch s

Lesen j

Litteratur s

Grammatik

Anschauung

Memoriren >

Geschichte ^

Geographie I

Aufsatz j

Schönschrift

Aufschreiben s

Zeichnen

Ober-. . .

4

4

4

4

3

4

4

3

3

3

Mittel- . .

8

5

i

9

1

10

10

9

11

10

11

11

10

Unter- . .

5

1

i

10

1

11

10

10

11

10

Windhoek, den 15. April 1902.

gez. Rave, Regierungslehrer.

1») Jahresbericht der Regierungsschule Swakopmund 1901/02.

Das Unterrichtslokal der Swakopmunder Schule ist das der früheren Privatschule.

Die Bekanntmachung über die Einrichtung einer Re­gierungsschule wurde hier von den Eltern schulpflichtiger Kinder mit Freuden aufgenommen. Am festgesetzten An- meldetermin konnten 9 Kinder in die Liste eingetragen werden. Kurze Zeit darauf wuchs die Schülerzahl auf 13 an, wovon 3 Kinder nach einem Monat Unterricht die Schule wieder verließen, da ihre Eltern verzogen. Die augenblickliche Zahl der Schüler beträgt 11. Einige Familien hatten vor Errichtung der Regierungsschule Haus­lehrer engagirt. Da die meisten Kinder im 6. und 7. und nur 3 im 11. bis 13. Lebensjahre stehen, habe ich auch naturgemäß nur 2 Stufen gebildet: Oberstufe und Unter­stufe. Letztere setzt sich wiederum aus 3 Abtheilungen zusammen. Mit Rücksicht darauf, daß die Kinder der Oberstufe bisher einen äußerst mangelhaften Unterricht genossen haben, ist vorerst eine Mannigfaltigkeit in den Unterrichtsfächern ausgeschlossen. Ich denke richtig ge­handelt zu haben, wenn ich bisher den sonst üblichen obligatorischen Elementarunterricht in Geometrie, Physik und Turnen fortgelassen habe. Für die ersten beiden Fächer sind die Kinder noch nicht reif genug. Der Turn­unterricht ist nach meiner Ueberzeugung bei den hiesigen Verhältnissen ganz unnöthig, da die Kinder nach Schul- schluß Zeit genug haben, um in der frischen Seeluft am Strande oder sonstwo herum zu laufen. Abgesehen von der geringen Turnerzahl wäre auch ein Turnunterricht

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