Jahrgang 
1906: 1904/1905
Entstehung
Seite
362
Einzelbild herunterladen
 

362

Anlage 6.IV.

Allgemeines.

gestattetes Laboratorium im Botanischen Garten in Vic­toria erbaut worden ist, stehe zu hoffen, daß daselbst die Prozesse der Kakaogärung aus breitester wissenschaftlicher Grundlage bearbeitet würden.

Ferner weist Dr. Busse auf die Notwendigkeit hin, außer der Kickxia auch andere Ersatzkulturen für den Kakao rechtzeitig in Angriff zu nehmen, um gegebenen­falls etwaige lokale Rückschläge im Kakaobau leichter tragen zu können. Zu diesem Zwecke sei es dringend erforderlich, Zweigstationen des Botanischen Gartens in verschiedenen Höhenlagen einzurichten, in denen Kaut­schukpflanzen, Guttapercha, Chinarindenbäume und andere hochwertige Produkte gezogen werden. Betreffs der in Togo auftretenden Baumwollkrankheiten verweist Dr.Busse auf seinen imTropenpflanzer" Nr. 4 erschienenen Be­richt und betont noch einmal, daß es in erster Linie darauf ankomme, solche Baumwollhybriden oder -Formen zu züchten, die sich als widerstandsfähig gegen die wich­tigsten Krankheiten erweisen. Die Versuche der aus­gezeichneten Baumwollschule des Komitees in Nuatjä müßten in dieser Richtung erweitert und noch mehrere Jahre hindurch fortgesetzt werden.

Dr. Busse bespricht schließlich seine Wahrnehmungen bezüglich der übrigen Eingeborenenkulturen in Togo, die in mehrfacher Hinsicht einer Verbesserung und Hebung bedürfen. So sei z. B. von einer rationellen Kultur der Olpalme noch nicht zu reden. In den zum Teil noch mit Wald bestandenen regenreicheren Gebieten des Agome- gebirges könnten Kakao, Kola, Kickxia und andere Kaut­schukpflanzen wenn auch in beschränktem Umfange von den Eingeborenen angebaut werden. Die brennendste Frage der Landeskultur in Togo ist nach Ansicht Dr. Busses die der Aufforstung. Zweifellos seien große Strecken für die Aufforstung mit Teakholz geeignet. Da­neben solle man daran denken, in eigenen Reservaten die ausgezeichneten wildwachsenden Nutzhölzer der Baum­steppe auf die Schnelligkeit ihres Wachstums und ihrer Anbaufähigkeit zu Prüfen.

e) Neu Guinea.

1. Guttapercha- und Kautschukunternehmen.

Seit dem Jahre 1896 befaßt sich das Komitee mit der Lösung der Kautschuk- und Guttaperchafrage in den deutschen Schutzgebieten. Unter den tropischen Rohstoffen, hinsichtlich deren Bezug Deutschland vorn Auslande ab­hängig ist, nimmt Kautschuk eine hervorragende Stelle ein; der Import betrug 1904 über 100 Millionen Mark. Die Verteuerung dieser Rohstoffe eine Folge des Raub­baues der Eingeborenen und des enorm gesteigerten Be­darfs der elektrotechnischen und Kabelindustrien ver­anlaßte die vorbereitende Studienreise von Pros. Preuß nach Zentral- und Südamerika in den Jahren 1899/1900 und die Westasrikanische Kautschukexpedition und die Südsee­expedition von Dr. Schlechter in den Jahren 1899/1900 und 1901/02, die zu dem Ergebnis der Einführung der Kautschukplantagenkultur in West- und Ostafrika und zu der Entdeckung wildwachsender Guttapercha in Neu-Guinea geführt haben. Die Feststellung der Brauchbarkeit der Neu-Guinea-Guttapercha für Seekabel und der fortgesetzte Rückgang der Ertragsfähigkeit der Kautschukwarenindustrie (prozentual ausgedrückt von 100 auf 70) infolge der enormen Verteuerung ihres Rohstoffes bestimmte das Komitee, ein neues Unternehmen in die Wege zu leiten, welches die Einführung einer geregelten Guttapercha- und Kautschukproduktion durch die Eingeborenen und die Schaffung von Unterlagen für eine Plantagenkultur in Deutsch-Neu-Guinea bezweckt und auf die Dauer von drei Jahren berechnet ist. Die Leitung des Unternehmens soll