Anlage 0. UI. >j70
Dcutsch-Südwestafrika.
Die Arbeit hier auf Gaub ist durch den Aufstand unterbrochen und naturgemäß in ihrer Entwicklung sehr gehemmt worden. Es ist indes gelungen, ein bisher sumpfiges Gebiet in Größe von etwa 5 Im trocken zu legen, das nun mit Mais bepflanzt wird und in diesem Jahre einen Ertrag von schätzungsweise 120 bis 150 Zentnern geliefert hat. Das von dem Sumpfgebiet durch Gräben abgeleitete Wasser wird in einem großen Graben gesammelt und zur Bewässerung des Gartenlandes der Eingeborenen verwendet.
In erster Linie wird Gaub Viehfarm sein und bleiben wegen des guten Weidelandes und der reichen Gelegenheit, das Vieh zu tränken. Der jetzige Viehbestand beträgt 121 Stück Großvieh und 94 Stück Kleinvieh. Eine beträchtliche Vermehrung des Viehbestandes ist in Aussicht genommen, läßt sich aber bei den jetzigen überaus hohen Viehpreisen nicht so schnell bewerkstelligen. — Außer dem Verwalter des Instituts, dem Misstonsökonom Diterius, wohnt seit dem Tode des Missionar Kremer kein weißer Missionar mehr am Platze. Das von Missionar Kremer errichtete Haus wird von den Truppen bewohnt. Auch ein eingeborener Gehilfe konnte bisher nicht eingestellt werden, doch ist in Aussicht genommen, daß der bisher in Tsumamas bei Franzsontein tätig gewesene Evangelist Petrus mit einem Teil der dortigen Bergdamaras nach hier übersiedelt. Der Verwalter Detering hält am Sonntag Morgen den Eingeborenen regelmäßig Gottesdienst und jeden Sonntag Nachmittag sogenannten Lesegottesdienst, in welchem die Erwachsenen sich im Lesen üben können. Die Schule wird bisher gehalten von einem Namamädchen namens Lossia, die aber jetzt verheiratet ist und deshalb Wohl bald ihre Arbeit einstellen wird. Ein möglichst geeigneter Ersatz wird alsdann beschafft werden müssen. Gegenwärtig wird die Schule von etwa 40 Kindern besucht. Der von der Kaiserlichen Regierung eingesetzte Häuptling Johannes Krüger wird von den am Platz wohnenden Eingeborenen als solcher geachtet. Wie weit sein Einfluß auf die im Felde wohnenden Bergdamara und Buschleute reicht, entzieht sich der Beobachtung des Jnstitutsverwalters. Seine Tätigkeit hier am Platze erstreckt sich auf die Versorgung seines Viehs und die Bestellung seines Gartenlandes usw., im übrigen wird er ja auch von der Kaiserlichen Regierung mannigfach zu Diensten verwendet. Der Jnstitutsverwalter hat keinen Grund zur Annahme, daß die Stellung Krügers zur Regierung anders als durchaus loyal ist, ebenso wie die der ihm unterstellten eingeborenen Bevölkerung. Ebenso ist seine Stellung zur Mission. Er ist ein regelmäßiger Besucher der Gottesdienste, überhaupt ein stiller, friedliebender Mann. Leider neigt er zum Trunk und muß als ein Gelegenheitstrinker bezeichnet werden. Es ist deshalb Gefahr vorhanden, daß sein Einfluß und sein Charakter je länger desto mehr leidet. Wie die meisten Eingeborenen ist Krüger nicht stark genug, um mäßig zu trinken. Soll er von seiner Leidenschaft frei werden, so müßte nach Möglichkeit ihm jede Gelegenheit zum Trinken genommen werden. Zurzeit weilt Kapitän Krüger nicht hier ain Platze. Nach seiner Rückkehr soll versucht werden, die von ihm gewünschten Angaben zu erhalten und einzureichen.
gez. Detering.
5. Bericht über die Missionsarbeit im Namalande bom 1. April 1905 bis 31. März 1906.
Wie der Aufstand für die ganze Kolonie eine Umwälzung der Verhältnisse zur Folge hatte, so brachte er besonders für die Mission tief einschneidende Veränderungen, ja schwere Verluste. Die Missionsarbeit ist im Namalande