Togo.
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Anlage 6. It.
Schulderichte.
1. Die Regierungsschule in Lome.
Der Andrang zum Besuch der Regierungsschule war so groß, daß mindestens 20 Jungen wegen Platzmangel zurückgewiesen werden mußten, ein Zeichen, daß sich die Regierungsschule immer größerer Beliebtheit bei den Eingeborenen erfreut, die einsehen, daß die Erlernung des Deutschen ihnen Vorteile bringt. Die Schule zählte im Berichtsjahre 100 Schüler (gegen 46 im Vorjahre), von denen 57 im Internat (Kostschüler) waren.
Von vier Kursen der Schule übernahm den dritten und vierten der Weiße Lehrer, der erste und zweite wurde je einem schwarzen Ünterlehrer zugeteilt.
Der Unterricht in den Lehrfächern wurde mit Beginn des neuen Schuljahres am 24. Januar 1906 nur noch an den Vormittagen von 7—12 Uhr abgehalten. Die Lehrgegenstände in deutscher Sprache waren: Anschauungsunterricht und Sprechübungen, Memorieren und freie Reproduktion, Lesen, Sprachlehre, Rechtschreiben, Aufsatz, dazu im vierten Kurs schriftliche und mündliche Übungen im Übersetzen aus dem Deutschen ins Ewe und umgekehrt, ferner Schönschreiben, Rechnen, Gesang, schließlich Geographie und Geschichte im dritten und vierten Kurs. Für Erlernung von Sprachen zeigt der Eingeborene erfahrungsgemäß große Begabung. So lernen unsere Jungen recht bald Deutsch verstehen oder „hören", wie sie es selbst bezeichnen, aber weniger schnell gut uud deutlich sprechen. Darum wurden — außer den schon erwähnten llber- setzungsstunden — eigene Stunden für Dialoge angesetzt. Die Nachmittage von 3—5 Uhr blieben den technischen und körperlichen Beschäftigungen und Übungen vorbehalten, wie Ab- und Nachschreiben, Turnen, Arbeiten im Freien beim Anlegen und Erhalten von Wegen und Gemüsegärten, Bepflanzen des Schulgrundstückes mit Nutz- und Ziergewächsen, Begießen und Ausführung von Reinigungsarbeiten.
Eine Hauptaufgabe der Schule ist es gleichzeitig, deu Mängeln der häuslichen Pflege der Hygiene abzuhelfen und den Sinn für Ordnung, Reinlichkeit und gute Sitte zu wecken und zu befestigen. Alle Reinigungsarbeiten im Hofe, in den Gärten, Schulsälen und Schülerwohnungen werden deshalb von den Schülern selbst vorgenommen. Da die Schüler täglich im neugebauten Badehause sich gründlich reinigen und baden und wöchentlich ihre Kleider und Tücher waschen, sind die früher mehrfach beobachteten Hautkrankheiten sehr selten geworden. Überhaupt war der gesamte Gesundheitszustand im Berichtsjahre ein recht guter. Einige Schüler litten am Guineawurm, vom Trink- wasser verursacht, und vereinzelt an Erkrankungen der Ohren, die ihre Ursachen Wohl darin hatten, daß die Jungen aus dem Hinterlande sich erst an die starke Brise der Küste gewöhnen mußten.
2. Die Handwerkerschule in Lome.
Die Schule wurde im Anfange des Berichtsjahres von 24, am Ende desselben von 17 Schülern (8 Tischlern, 2 Schmieden, 1 Maurer und 6 Schneidern) besucht.