Kamerun.
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Anlage V.1II.
Schulöerichte.
1. Die Regierungsschule iu Duala.
Die Zahl der Schüler betrug 277 gegen 315 im Vorjahre. Von den Schülern waren 222 aus Duala, 42 aus anderen Gegenden des Schutzgebiets und der Rest aus ausländischen Gebieten. An Lehrkräften standen zeitweise 2, im größten Teile des Jahres nur 1 deutscher Lehrer und 2 eingeborene Lehrer zur Verfügung. Der Unterricht wurde in 6 Klassen erteilt, die in drei Abteilungen zusammengefaßt waren. Eine dieser Abteilungen war eine von 25 Schülern besuchte Fortbildungsschule. Der Lehrplan für die 6 Schulklassen umfaßte sämtliche Fächer, welche in den deutschen Volksschulen gelehrt werden. In der Fortbildungsschule soll eine Weiterbildung der jungen Eingeborenen erstrebt werden, welche nach Beendigung der sechsklassigen Schulzeit in den Dienst der Behörden übertreten oder Beschäftigung als Angestellte bei Privaten finden. Die Raumverhältnisse sind unzureichend, wodurch die Leistungen der Schule nicht unwesentlich beeinträchtigt werden. Der Besuch der Schule kann als ein nach den Verhältnissen regelmäßiger bezeichnet werden. Das Ergebnis des Schuljahres war ein befriedigendes und kann dahin zusammengefaßt werden, daß von den 22 Schülern der ersten Klasse 16 in den Gouvernementsdienst als Bureau- und Lazarettgehilfeu und 2 in den Postdienst als Postgehilfen eingetreten sind. 2 Schüler, Söhne des Manga Bell, wollen ihre Ausbildung in Deutschland vervollständigen. 2 Schüler, noch zu jung, um im Erwerbsleben beschäftigt zu werden, verbleiben noch ein weiteres Jahr in der ersten Schnlklasse.
2. Die Regiernngsschnle in Victoria.
Die Lehrtätigkeit wurde vou einem deutschen Lehrer wahrgenommen, dem vier eingeborene Hilfslehrer zur Seite standen. Die Schülerzahl betrug 200 gegen 210 im Vorjahre.
Schulversäumnisse sind häufig, weil die Kinder sich zum teil ihren Lebensunterhalt erwerben müssen, ebenso auch die Fälle, daß Schüler nach mehrmonatigem Aufenthalte wieder fortziehen, weil sie keine oder schlechte Unterkunft gefunden haben. Auch Versäumnisse infolge von Krankheiten, wie Fuß- und Hautkrankheiten, waren ziemlich häufig.
Die Ergebnisse des Unterrichts waren trotz vorgekommenen Lehrerwechsels zufriedenstellend.
Am Schlüsse des Schuljahres wurden 30 Schüler entlassen. Ende August 1905 hatte die Schule die Freude, von den auf ihrer Studienfahrt befindlichen Reichstagsabgeordneten besucht zu werden. Der Geburtstag unseres Kaisers wurde festlich begangen.
In der 2. Woche vor Jahresschluß machte die Schule einen 2 tägigen Ausflug nach dem 5 Stunden entfernten Buea zur Besichtigung der dortigen Anlagen.