Jahrgang 
1907: 1905/1906
Entstehung
Seite
21
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Deutsch-Ostafrika.

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Anlage II.

SchnUierichtr.

1. Bericht der Regierungsschule iu Tauga.

Der Unterricht wurde in 7 Klassen mit 5 aufsteigen­den Stufen erteilt. Die unterste Klasse wurde als erste, die oberste als fünfte bezeichnet. Die Klassen 3 und 4 hatten Parallelklassen 3u und 3b, 4u und 4k.

Außer 3 deutschen Lehrern, von denen dem einen als Rektor die Leitung der Schule obliegt, waren noch 7 eingeborene Hilfslehrer an der Schule tätig. Durch die Tätigkeit dreier deutscher Lehrkräfte konnten die Ziele höher gesteckt werden, die Ausbildung der Schüler der oberen Klasse hatte einen Fortschritt zu verzeichnen. Die Schule wurde am Ende des Berichtsjahres von 380 Schülern besucht. Von diesen waren 238 Alumnatsschüler. 16 Schüler erhielten Anstellungen als Schreiber, Lehrer, beim Zoll, bei der Eisenbahn, im Krankenhaus, in: Sana­torium Wugiri usw. Um begabte, vorgeschrittene Schüler weiter fördern zu können, wurde Ende Dezember die Einrichtung einer Oberschule beschlossen. Aus allen Regierungsschulen sollen einige tüchtige Schüler zu eineni zweijährigen Besuch der Oberschule nach Tauga gesandt werden. Dieselben werden nach erfolgtcr Aus­bildung wieder zurückgesandt. Zum Besuch der Ober­schule trafen bisher 5 Schüler aus Bagamoyo uud 4 Schüler aus Pangani ein. Die übrigen Schüler der Oberschule stammen aus der Schule iu Tauga.

Die Bevölkerung scheint den Nutzen der Schule all­mählich zu begreifen, wozu Wohl in erster Linie der Um­stand beiträgt, daß sie sieht, daß tüchtige Schüler alle möglichen Anstellungen erhalten, in denen sie ihr gutes Auskommen haben. Der Schulbesuch war recht regel­mäßig.

Die Schulen arbeiten, wenn auch nur indirekt, wirksam der Ausbreitung des Islam entgegen. Viele Koranschulen haben ihre Tätigkeit eingestellt, andere fristen nur ein kümmerliches Dasein. Ferner besteht das Bestreben der Schule darin, die in der Kisuaheli- sprache enthaltenen arabischen Fremdwörter nach Möglich­keit zu vermeiden und durch Wörter des eigent­lichen Kisuaheli oder durch deutsche zu ersetzen. Dieses Bestreben wird durch dieSchulfragen, Blätter zur Förderung des afrikanischen Schulwesens", die jetzt ihren 2. Jahrgang begonnen haben, zu fördern gesucht, auch durch die seit einem Jahr bestehende Zeitung für Ein­geborene, denKiongozi". Erfreulicherweise nehmen die Beiträge für diese Zeitung aus allen Teilen des Schutz­gebiets mehr uud mehr zu. Viele derartige Arbeiten zeugen von Fleiß und großem Eifer, auch mancher Dichter befindet sich unter den Mitarbeitern. Für die deutschen Kulturbestrebungen ist diese Zeitung insofern lehrreich, als sie Gelegenheit bietet, die intellektuellen Eigenschaften, die Denkungsart und den Charakter der Eingeborenen mehr und mehr kennen zu lernen.

Die Lehrmittel sind vermehrt worden durch(lbuo eba llubeskibu", ein Rechenbuch von Ramlow. Dadurch