Jahrgang 
1912: 1910/11
Entstehung
Seite
161
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Altes Schutzgebiet. II. Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik. 161

Alle Missionen mit Ausnahme der Neuendettelsauer und der Maristen- mission erteilen auch Unterricht in der deutschen Sprache in ihren Schulen. Besonders erfolgreich in dieser Beziehung ist die katholische Mission vom heiligen Geist in Alexishafen.

II. Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik. Z. Produktion.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Schutzgebiets hat erfreuliche Fortschritte Allgemeines, gemacht. Der Gesamthandel ist um fast 2,4 Millionen Mark gestiegen. Der Umfang der plantagenmäßig bepflanzten Fläche hat eine erhebliche Ausdehnung erfahren. Die Eingeborenen haben unter Anleitung der Verwaltung ihre Kokos- bestände an vielen Stellen beträchtlich vermehrt. Einen nachteiligen Einfluß hat die große Trockenheit ausgeübt, die bis in den November hinein dauerte. Wenn die Kopraausfuhr, trotz der Zunahme der ertragsfähigen Fläche um fast 1200 Ka, sich lediglich um 600 Tonnen gehoben hat, so wird das in der Haupt­sache auf die Trockenheit zurückzuführen sein.

Die Zunahme der bebauten Fläche beträgt nach der Plantagenstatistik fast Pflanzungen. 4900 tia. Die wirkliche Steigerung ist nicht ganz so groß, da ein Teil der Zunahme auf die genauere statistische Erfassung der Plantagenwirtschaft zurück­geht. Sie wird sich aber jedenfalls auf mindestens 3500 Kg. belaufen. Die Kokospalme ist nach wie vor die Hauptkultur. Gegenüber den 20844 Ira, die mit ihr bestockt sind, kommen andere Kulturen wenig in Betracht. Immerhin wird auch ihnen viel Aufmerksamkeit zugewendet. Kautschuk liefernde Pflanzen bedecken einen Flächenraum von 2414 Ka. (2254 Ka. im Vorjahr), Kakao gewinnt an Bedeutung (418 Ka. gegen 334 da). Der Anbau von Sisalhanf (97 da gegen 78 Ks.) geht im Bismarckarchipel zurück, anscheinend weil die Kultur für den Kleinbetrieb nicht sehr rentabel erscheint. Im Bezirk Friedrich-Wilhelmshafen ist eine Vermehrung der Anbaufläche um 59 Ira zu verzeichnen. Kaffee wird nur noch für den eigenen Bedarf gebaut. Von besonderem Interesse ist ein Versuch der Katholischen Mission in Alexishafen, Sumpfreis in größerem Umfange zu kultivieren. Es sind 20 da mit Reis bestellt, ein Stauwerk ist errichtet. Von welcher Bedeutung die Einbürgerung der Reiskultur sein würde, braucht im Hinblick auf die großen Mengen Reis, die dauernd aus Asien eingeführt werden müssen, nicht weiter dargetan zu werden. In Erkenntnis dieser Tatsache hat auch das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee der Mission besondere Mittel für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Der Anbau von Zuckerrohr und Pfeilwurz in größerem Umfang und die Anlage einer Zuckermühle wie einer Fabrik zur Erzeugung von Stärkemehl stehen in naher Aussicht.

Neben den vorerwähnten Hauptprodukten werden insbesondere von den kleinen und mittleren Betrieben in der Nähe der Blanchebucht als Zwischen­kulturen Bananen, Mais und andere Feldfrüchte gepflauzt, die zum Teil als Nahrung für die eigenen eingeborenen Arbeiter dienen, zum Teil in Rabaul und Herbertshöhe durch Verkauf verwertet werden. Die Anpflanzung von Mais als Zwischenkultur hatte zeitweilig einen solchen Umfang angenommen, daß der

Die deutschen Schutzgebiete. 1l