Deutsch-Südwestafrika
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Deutsch-Südwestafrika.
Vorbemerkung.
Der Bericht über die Entwickelung des südwestafrika- nischen Schutzgebiets kann in diesem Jahre infolge des Eingeborenenaufstandes nicht in der üblichen Ausführlichkeit erstattet werden. Einerseits waren die für die Aufstellung des Jahresberichts erforderlichen Unterlagen nicht vollständig zu beschaffen,' andererseits sind die während des Berichtsjahres bis zum Ausbruch des Aufstandes erzielten Ergebnisse durch die über das Schutzgebiet her- eingebrochene Katastrophe in so großem Umfange vernichtet worden, daß ihre Darstellung für den gegenwärtigen Stand der Dinge im Schutzgebiet nichts besagen kann.
Wenn aber auch eine Berichterstattung über die Einzelheiten der Entwickelung ausgeschlossen ist, so lassen sich doch die ausschlaggebenden Züge der Entwickelung auch für das Jahr 1903 mit hinreichender Sicherheit feststellen. Eine solche Feststellung hat nicht etwa infolge der inzwischen eingetretenen Zerstörung lediglich historischen Wert, sondern sie vermag zu einer richtigen Beurteilung der Entwicklungsmöglichkeit des Schutzgebiets beizutragen und für den wirtschaftlichen Wiederaufbau, der nach der Beendigung der Unruhen zu beginnen hat, immerhin einige wertvolle Fingerzeige zu geben.
I. Allgemeines.
Die Kenntnis der wirtschaftlichen Vorbedingungen des Schutzgebiets hat im Berichtsjahr eine Bereicherung erfahren vor allem durch die Fischfluß-Expedition des Kolonialwirtschaftlichen Komitees und durch die Vereisung des Distrikts Grootfontein durch den Ansiedelungskommissar des Gouvernements.
Die Ergebnisse der von Ingenieur Alexander Kühn geleiteten Fischfluß-Expedition, die gegen Ende des Jahres 1903 zum vorläufigen Abschluß gelangte, sind von dem Kolonialwirtschaftlichen Komitee in einem ausführlichen Bericht publiziert worden,' sie sind nicht nur für die Kenntnis der hydrographischen Verhältnisse des Südens der Kolonie, sondern auch in allgemein-wissenschaftlicher und -wirtschaftlicher Beziehung von Wert, und jeder künftige Versuch einer planmäßigen Bewässerung in den Südbezirken wird an die Resultate dieser Expedition anknüpfen müssen.
Die Vereisung des Distrikts Grootfontein durch den Ansiedlungskommissar vr. Rohrbach hatte den Zweck, einen allgemeinen Überblick über die Besiedelungsfähigkeit Anlage o
dieses Landesteils zu gewinnen, der seiner Erschließung ^-- ^
durch die Otavibahn entgegensieht. Die Ergebnisse dieser Reise, die allerdings noch ihrer Bestätigung durch eine längere Beobachtung und durch genauere geologische und hydrographische Untersuchungen bedürfen, lassen die Aussichten für den Ackerbau, namentlich für den Anbau von
Fischflnß-Expedition.
Vereisung des Distrikts Grootfontein.