Deutschkunde im schöngeistigen Schrifttum.
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Eine nordamerikanische Expedition unter Leitung von Gillis kam Ende der vierziger Zahre nach Ehile, machte daselbst die ersten astronomischen Beobachtungen und bestimmte die Lage von mehr als t<>oon Sternen erster bis zehnter Ordnung. Als die nordamerikanische Expedition ^852 das Land verlassen wollte, kaufte ihr Präsident M. Montt auf Antrag Domeykos für etwa 8<>oo Pes. die ganzen von den Nordamerikanern mitgebrachten Instrumente ab und gründete die Sternwarte in Santiago aus dem Eerro de Santa Lucia. E. Moesta, ein Ich der schon unter A. Pissis an der geodätischen Vermessung des Landes mitgearbeitet hatte, wurde zum Direktor ernannt. Als Hauptaufgabe des neuen Instituts wurde bezeichnet: Mitarbeit an der wissenschaftlichen Astronomie. Über die in den Jahren t85Z—55 einschl. ausgeführten Arbeiten publizierte Moesta t85y ein epochemachendes Werk. tS62 wurde die Sternwarte nach einen: ungeeigneten Platz verlegt. x865 legte M. sein
Amt nieder und verhetz Ehile für immer. Wie Ref. schreibt, waren die Leistungen der Sternwarte von Santiago seit jener Zeit unbedeutend.
Über den nun folgenden Aufsatz von Hans Steffen über den Anteil der D. an der geographischen und geologischen Erforschung Ehiles (S. x 88 — 245 ) ist bereits in der D. Erde tytO, S. 2-xöff. berichtet. Der Botaniker F. j^ohow berichtet kurz über den Stand des naturwissenschaftlichen Unterricht in den verschiedenen Unterrichtszweigen, über das Ratnrhistorische Museum und über den Botanischen Garten. M. Ziegler berichtet über den physikalischen Unterricht, E. Maisch über den der Ehemie und den Stand der chemischen Industrie in Ehile. V. Körner behandelt den d. Einfluß auf die Entwicklung der medizinischen Wissenschaft. Den Schlutz machen kurze, meist statistische Angaben über die d. Krankenhäuser und Schulen.
Seutsclikunde im senöngeimgen -cnpimum.
(D. d. ^
Allgemeines. Das Deutschtum im Ausland und ! die Kalender.
Trotz erfreulicher Fortschritte ist die Kenntnis von der Zahl und Verbreitung des Deutschtums außerhalb des Reiches und das Verständnis für seine Bedeutung noch lange nicht genug in die breiten Schichten unseres Volkes eingedrungen. Dazu bedarf es volkstümlicherer Mittel als der bisher angewendeten, und wir dürfen bei unserer Werbung für ein geistiges „größeres Deutschland" zumal die Kalender nicht außer acht lassen, welche auf die Gedankenwelt der weitesten Volkskrcise einen großen Einfluß ausüben. Bei den D. jenseits unserer Grenzen, namentlich im Gsten, sind ja die Vereius- kalender schon länger ein wichtiges Hilfsmittel für die völkische Sache — so der des „D. Schulvereins" in Wien und der andern d. Schutzvereine in Gsterreich- Mlgarn, in den baltischen Landen, in Südrußland. Im Reiche selbst haben große völkische Vereine, wie der „Flottenverein", die „D. Kolonial - Gesellschaft", der„Mst- markenverein", ebenfalls ihre eigenen Kalender. Auch den Bestrebungen für das Deutschtum im Ausland haben schon solche gedient: „Die d. warte, Kalender für das d. Volk", herausg. von Dr. G. Schuchardt, Jahrgänge l88H—8? (Großenhain, Komm.-Verlag von A. Hentze), und späterhin Karl Prölls „D. Rationalkalender", D.- nationales Jahrbuch", „Kalender aller D." t8'A—94 (Berlin, Lüstenödcr). Doch diese aus den Kreisen des „Allgem. D. Schulvereins" (jetzt „Verein für das Deutschtum im Ausland"), aber nicht von der Hauptleitung selbst, ausgegangenen Anläufe — so wertvoll sie inhaltlich waren — haben sich gegenüber den zahlreichen, von buchhäudlerischen Unternehmungen herausgegebenen und vertriebenen Kalendern nicht für die Dauer durchzusetzen vermocht (so wenig wie ein schöner Abreißkalender des Vereins selbst). Sie waren eben nicht Kalender in: eigentlichen Sinne, mehr nur eine Art Jahrbücher für unsere Bestrebungen.
Ziehen wir aus diesen Erfahrungen die Lehre, das Kaleuderschrifttum mehr, aber in anderer weise als es versucht worden, in den Dienst der Sache des Deutschtums im Auslande zu stellen, nicht durch einen neuen Versuch mit einem eigenen Kalender, sondern, indem wir
Deutsch.)
die bei uns bestehenden Volkskalender, soweit als möglich, zu der schönen großen Aufgabe heranziehen! Daß und wie das möglich, zeigt der neueste Jahrgang t'A4 des altbekannten, auch über die Grenzen des Reiches weitverbreiteten „Volkskalenders des Lahrer sinkenden Boten" (begründet t800). wackerer südd. Vorkämpfer unserer Einheitsbestrebungen, namentlich in den Jahren vor x870, hat er den vaterländischen Gedanken, für den er von jeher mit Wärme und in gut volkstümlicher weise eingetreten, zum völkischen erweitert und vertieft. — „Der Hinkende", wie er knrzweg im Volksmund heißt, bringt — von den üblichen Kalenderzutaten abgesehen — außer seiner regelmäßigen launigen „Iahresübersicht", ernsten und heiteren Erzählungen mit guten Bildern (darunter diesmal auch eine Geschichte aus dem Kärntner Land) und Belehrendem, für das Jahr tdl4 eine (von Handelskammersekr. w. Schlang in Freiburg) trefflich für die weitesten Kreise, im Volkston geschriebene „Standrede" über „Unsere Brüder im Ausland", die der „Bote" des Abends im Wirtshaus den ländlichen Gästen hält: mit den Schweizer Nachbarn beginnend, erzählt er von dem völkischen Kampf der D. in Südtirol, in Kram und Böhmen und gedenkt neben den Siebeubürger Sachsen auch der „Schwaben" in Südungarn und Galizien, wie derer iir Südrußland, im Kaukasus und an der Wolga neben den Balten in ! den russischen Gstseeprovinzen. Dabei weiß er geschickt, ohne zu ermüden, auch eine Übersicht über das Deutschtum in den andern Erdteilen einzuflechten. So macht der „Hinkende" seine Leser warm für unsere „Brüder im Ausland", wie es die Hörer der „Standrede" in dem Bauernwirtshause werden, die nun wissen, was sie mit den xZ7.65 M. in ihrer Kegclkassc zu machen haben, statt daß sie verjubelt werden, bekommt sie der „Verein für das Deutschtum im Ausland", Berlin >Vü2, Kurfürstenstraße wö.
Der „Lahrer Hinkende Bote" hat damit ein gutes Beispiel auch für die andern Volkskalender gegeben, das, wie zu hoffen, sich wiederholen wird, in der Art, daß seine folgenden Jahrgänge — jeweils in einer und der andern Erzählung aus dem Leben und Treiben, dem Sehnen und Kämpfen der Brüder draußen — allmählich