Jahrgang 
12: 1913
Entstehung
Seite
150
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,50

Berichte über neuere Arbeiten zur Deutschkunde.

storbene Dr. Viktor Precht in seinem DramaKüraß und Kutte", und Wilhelm Müller, in seinem prächtigen GedichtDie letzte Predigt" haben ergreifend geschildert, wie Mühlenberg von der Kanzel stieg, den priestcrrock ablegte, das Schwert um seine Hüften gürtete, und das achte virginische, das deutsche Regiment, erstehen ließ. Seine Abschiedspredigt schloß er mit den Worten:Die Heilige Schrift sagt, es ist eine Zeit für jegliches Ding in der Welt, eine Zeit znm Rede,:, eine Zeit znm Schweigen, eine Zeit zum predigen und Beten, diese Zeit ist vorüber, es gibt auch eine Zeit zum Fechten, und diese Zeit ist gekommen! wer daher Freiheit und Vaterland liebt, der folge mir!" Line Szene unbeschreiblicher Begeisterung folgte, die Mit­glieder der Gemeinde erhoben sich von ihren Sitzen und stimmten Luthers Kraftlied an:Line feste Bnra ist unser Gott." Dann wirbelte die Werbetrommel vor der Kirchtür, und im Verlauf einer halben Stunde verpflichteten sich (62 Zünglinge und Männer, ihrem Pastor in Kampf und Tod zu folgen. Mühlenberg bewährte sich wie auf der Kanzel auch auf dein Schlachtfelde und wurde einer der besten Generäle Washingtons, bind sein Beispiel steht nicht vereinzelt da, auch der Deutschpennsylvanier Sebastian, Pastor der Lpiskopalkirche zu Winchester, va., folgte den: Ruf zu den Waffen. Gleich Mühlenberg erlangten der Postmeister von Fredericksburg, Gerhard von der wieden sowie Adam Stephan und wilh. Darke, Generalsrang in der amerikanischen Armee. Und endlich wurde in den Zähren (780 und (78( General von Steuben, vor dessen überlegener Ingenieurkunst und Taktik der stolze Brite zu Horktown, va., die Waffen strecken mußte, komman­dierender General von virginien.

IZeinclile üben neuere Arbeiten sur rleutsenkun-e.

(D. d. ^

Allgemeines. Wörterbuch der altgermanischen Personen- und Völkernamen, nach der Über­lieferung des klassischen Altertums bearbeitet von M. Schön seid. (2. Band der H. Reihe: Wörterbuch der Germanischen Bibliothek, herausgeg. von wilh ein: Streitberg.) Heidelberg lytl, Karl winters llni- versitätsbuchh.

In der Einleitung behandelt der Verfasser die Be­deutung und Geschichte des Namenstudiums auf den: Gebiete der germanischen Philologie und zeigt, wie die altgcrmanische Grammatik manchen Gewinn aus diesen Namen ziehen kann, daß sie für uns namentlich als Kontrollmittel ebenso unschätzbar sind wie die germanisch- finnischen Lehnwörter. Betreffs der keltischen und ger­manischen Matronen aber, d. h. der Mnttergöttinnen, dürfte Sch. keinesfalls recht haben, wenn er sagt:Sie (die Kelten) haben auch den germanischen Kultus be­einflußt, sollte uicht doch vielleicht die ganze Matro- nenverehrung dei: Kelten entlehnt sein?" Die (drei) Mnttergöttinnen sind sicher nrindogcrmanisch, also auch den Urgermanen und später noch den Germanen bekannt gewesen, wie die Sagen von den drei Fräuleins usw. beweisen. Sch. bietet ein Ouellenwerk, bei den: die kritische Sammlung der Belege und der Literatur in: Vordergründe steht. AIs Grenze gilt ihn: in: all­gemeinen die Zeit Instinians, der eigentliche Ansang der byzantinischen Periode. Die Sammlung enthält so­wohl die literarische als auch die inschriftliche Über­lieferung der Römer und Grieche::; auch die Müuzen siud verwertet. Die etymologischen Probleine treten bei Sch. zurück; daß er aber, namentlich, wenn es einen: Namen galt, dessen sprachliche Herkunft nicht feststand, trotz allen widerstreben? dieses Gebiet öfters betreten mußte, ist klar, und sonnt ist dieses hochgelehrte Buch sehr wichtig für Deutungen überhaupt. Die alten Reckei: und ihre Familie ziehen vor unser,: Augen vorüber, wir hören auch aus den: lateinischen Gewände

Deutsch.)

ihr d. Herz schlagen und verstehen ihre Namen, die vorspräche unserer Muttersprache mit ihre«: Dialekten. Imethnographischen Inder" sind dann noch die Namen nach Völkerstämmen aufgeführt, ebenso die germanischen Gottheiten, dieMütter" und in einem besondere,: Teile Namen ungermanischer Völker und Personei:". An: wertvollsten aber dürste deretymologische Inder" sein, ii: den: die Namen nach den ii: ihnen enthaltenen Wort­stämmen angeführt sind, so daß man einen guten Über­blick über die verwertete,: Stämme hat. Man kam: natürlich über die Deutung mancher Namen eine andere Meinung als Sch. haben, aber man muß anerkennen, daß der Verfasser mit sehr großen: Fleiße und unermüd­lich ai: diesen: Buche gearbeitet hat.

Allgemeines. Nachrichtendienst und Reisever­kehr des Deutsche,: Ordens um zH 0 0 . von Paul Babeudererde. III u. 56 S. Königsberg. Diss. LIbing zytö, L. wcrnichs Druckerei.

Ihren: Ursprünge nach ist die vorliegende Abhand­lung offenbar polemischer Natur, doch merkt man dies ihren Ausführungen kaun: an. Das ist nur zu billigen und zeugt voi: guten: Geschmack des Vers., denn billige Polemik eines Anfängers den Arbeiten verdienter älterer Forscher gegenüber wirkt leicht peinlich, auch dort, wo der Jüngere in: Recht ist und eine Richtigstellung ver­alteter Anschauungei: dringend geboten erscheint. Dieser Fall nun liegt sicherlich hier vor, denn Ioh. voigts oft wiederholte und dabei nicht selten noch ausgeschmückte Darlegungen über ein wohlorganisiertes Postwesen des D. Ordens mit Postämtern, regelmäßigem Botenwechsel auf fest bestimmten Postlinien usw., bedürfen allerdings durchgreifender Richtigstellung in: Sinne einer ener­gischen Einschränkung alter Übertreibungen. Der D. Orden hat ii: der Ausbildung seines Boten- und Nach­richtendienstes nicht mehr zu leisten vermocht, als seiner Zeit entsprach, innerhalb dieses Rahmens aber Aus-