Jahrgang 
12: 1913
Entstehung
Seite
16
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^6 Wilhelm Rohmeder: Der (Gebrauch deutscher Ortsnamen in Welschtirol und in den sprachlichen (Grenzgebieten.

seine Tätigkeit in Südtirol, italienische Gelehrte, Rrzte, Rdvokaten usw. folgten und blieben mit oft zahlreicher Nachkommenschaft. in verschiedenen Zweigen des wirtschaftlichen Lebens den Einheimischen, d. i. den Deutschen und Ladinern, sich überlegen fühlend, begannen die Ein- gewanderten in der Folge auch außerhalb ihres Mohnsitzes eine große Rührigkeit zu entfalten.

Mächtig gefördert wurde die Unterdrückung deutschen Mesens durch Maßnahmen auf dem Gebiet des kirchlichen Lebens seit der zweiten Hälfte des (6. Jahrhunderts. Um die eingedrungenen reforinatorischen Anschauungen wieder auszurotten, verboten die" Bischöfe von Feltre, padua und Trient, in deren Sprengel diese südtirolischen Gebiete lagen, den deutschen Gemeinden die Berufung einheimischer und deutscher Priester. Die deutschen Gemeinden erhielten nur noch welsche Seelsorger, welche znm großen Teil und in großer Zahl aus Stallen in das heutige Südtirol kamen. Sch will damit natürlich nicht sagen, daß nicht auch schon vorher in einzelnen Fällen Priester aus Stallen zugelassen worden wären. Damit wurde die verwelschnng des kirchlichen Lebens eingeleitet. Mie vorher schon derGroße Banernrebell" ((323), so kostete nun die welt- licherseits durchgeführteGegenreformation" Tausenden von Deutschen das Leben oder Heimat und Besitz, und wurde hierdurch Raum geschaffen für italienische Einwanderung. Und da am Hofe in Snnsbrnek das Melschtnm noch lange nachher sich großer Gönnerschaft erfreute, so ist es begreiflich, daß es im Süden des Landes um so anspruchsvoller und erfolgreicher auftreten konnte.

Später folgten dann wieder Vorstöße auf wirtschaftlichem Gebiet, die bis zum heutigen Tage ihre verhängnisvolle Mirkung äußern, indem italienische Rdelige und Kapitalisten im Etschtal hinauf bis in die Meraner Gegend deutsche Güter aufkauften und nach italienischer (altrömischer) Rrt durchToloni" (Bauleute") bewirtschaften ließen. Roch heute sind ausge­dehnte Güter und herrlich gelegene Schlösser im Etschlande im Besitz venedigischer und Mailänder Familien.

Mit all diesen Vorgängen steht natürlich die verwelschnng und Rußergebrauch- setzung deutscher Ortsnamen im innigsten Zusammenhang: jeder Verlust auf kultu­rellem und wirtschaftlichem Gebiet brachte auch einen Verlust an deutschem Sprachgut.

Zur richtigen Beurteilung dieser Vorgänge ist zu beachten, daß hierbei Landschaften in Be­tracht kommen, welche damals teils unmittelbarer österreichischer (tirolischer) Besitz waren (z. B. das untere Suganertal, das Gericht vielgereut, die Stadt Rofereit und ein Teil des unteren Lager­tales, die Gerichte Deutschmetz und Königsberg), teils mittelbar unter der tirolischen Landes­regierung standen (z. B. andere Teile des unteren Lagertales, die Herrschaft Galnetsch oder Gal- dinetsch im oberen Suganertal), teils aber das Fürstentum Trieut bildeten, das sein Schein­dasein als besonderer Staat imHeiligen Römischen Reich Deutscher Nation" durch den Regens- bnrgerReichsdeputationshauptschluß" vom 28. Febr. (803 verlor und bei seiner Ruflösung ein Gebiet von 60 Geviertmeilen mit (^6000 Bewohnern hatte (die Stadt Brannschweig (9(0: (((-( 000 ).

Ruch die Zuweisung italienischer Provinzen an den österreichischen Kaiserstaat durch den Miener Kongreß wnrde dem Deutschtum in Südtirol verderblich. Mas die Kirche begonnen, wurde nun durch Verwaltung und Schule weitergeführt. Südtirol sollte eine Rrt von Übergangs­land zu den italienischen Provinzen werden. Rahm doch die Reichsregierung für diese ihre zuverlässigsten Beamten aus Südtirol. Es konnte ihr deshalb nur erwünscht sein, recht viele, mit den deutschen Eigenschaften ausgestattete Rmtswerber zur Verfügung zu haben, die des Stalienischen vollständig mächtig waren.

11. Gegenwärtige Verhältnisse.

Nachdem dann in den vierziger Sahren des vorigen Sahrhnnderts der Trienter Professor Frap porti mit Hilfe von Urkunden- und Tatsachenfälschungen seiner Vaterstadt zu Ehren das nebel­hafte politische Gebildedes Trentino" erfunden hatte, ist seit (8^(8 hauptsächlich die »Italiu irrs- clsnta« (diesseits und jenseits der österreichischen Reichsgrcnze) die Trägerin der verwelschungs- bestrebungen, und zwar natürlich auch in der Richtung der Rusrottnng deutscher Ortsnamen, in Südtirol geworden. Und dies nicht nur in denjenigen Teilen des heute soaenannten Melsch- tirols, welche als Reste eines ehemals ausgedehnten deutschen Besitzstandes bis zum heutigen Tage deutsche Rrt, deutsche Sprache und deutsche Namen bewahrt haben, sondern in ganz Südtirol.