Jahrgang 
1902: 1900/1901
Entstehung
Seite
223
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Anlage I?. II.

Deittsch-Nen-Guinea.

t>) MediziiealBerichte.

1. Deutsch Ueu-Gninea.

(Bismarck-Archipel und Kaiser Wilhelmsland.)

Im medizinischen Personal fanden folgende Aenderungen statt. Nachdem der Arzt der Kompagnie in Stephansort Schlafke das Schutzgebiet verlassen hatte, wurde eine Zeit lang der ärztliche Dienst daselbst durch den Assistenten des Herrn Geheimrath Koch, Stabsarzt Ollwig, wahrgenommen. Dieser wurde durch den Arzt Jacobs ersetzt; später sandte die Direktion der Kompagnie einen zweiten Arzt, Dr.Hintze, nach Friedrich-Wilhelmshafen. Beide Aerzte sind mit der Koch'schen Untersuchungsmethode bekannt und haben dessen Behandlungsmaxime der Malaria mit großem Erfolge fortgesetzt, so daß der Gesundheits­zustand in Kaiser Wilhelmsland sowohl bei Europäern wie bei Farbigen ein auffallend guter war. An Malaria starben in Deutsch-Neu-Guinea zwei, an Schwarzwasferfieber starb ein Europäer.

Das Gouvernement in Herbertshöhe hatte im Berichts­jahre keinen Arzt, wohl aber einen Lazarethgehülfen zur Ver­fügung. Im Jnselgebiete traten Aenderungen im Bestände des medizinischen Personals nicht ein.

Herbertshöhe.

Ueber die Gesundheitsverhältnisse in Herbertshöhe be­richtet Herr Dr. weil. Fuhrmann Folgendes:

Vom 1. April 1900 bis dahin 1901 starben ini Archipel sechs Europäer. Davon zwei an Schwarzwasser­fieber, einer an Malaria und je einer an Herzschlag bezw. Tuberkulose bezw. Magengeschwüren.

Die beiden ersteren befanden sich bereits seit fünf resp. sieben Jahren in den Tropen und waren hochgradig blutarm geworden. Der an Malaria verstorbene Europäer hielt sich auch seit längerer Zeit in den Tropen auf und litt außerdem an Herzverfettung und eitrigem Mittelohr­katarrh.

Der Gesundheitszustand war im Allgemeinen nicht so gut wie im Jahre vorher, besonders in der Uebergangs- zeit vom Nordwest- zum Südost-Passat, in den Monaten März und Mai 1901 war er schlecht. Abgesehen von Erkältungskrankheiten, wie Rheumatismus, Bronchial­katarrh rc., häuften sich in dieser Zeit die Malaria- Erkrankungen. Doch waren alle von kurzer Dauer und gutartigem Verlauf. In den meisten dieser Fälle handelte es sich um kebris tertioua und tropriou.

Von Schwarzwasserfieber-Erkrankungen, welche zur Genesung führten, kamen fünf Fälle vor. In diesen fünf Fällen ließ sich nachweisen, daß die Patienten kurz vor ihrer Erkrankung Chinin genommen hatten.

Von den im Archipel beschäftigten Arbeitern, die sich auf ca. 2500 beliefen, sind in der Zeit vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 123 gestorben. Die Todesursachen waren meist Dysenterie, Kachexie, Lungenerkrankungen, Darmkatarrhe. Erstere Krankheit ist auch unter den hiesigen Eingeborenen, ferner an der Nordküste und in verschiedenen Gegenden von Neu-Mecklenburg, zumal in dem Strich von Fissoa bis Nusa ziemlich heftig aufgetreten.

Im Uebrigen nahmen die sogenannten chirurgischen Krankheiten die ärztliche Thätigkeit am meisten in Anspruch.

Bezüglich der Geschlechtskrankheiten war ein Rückgang der Gonorrhoe zu bemerken, während etliche Syphilisfälle neu hinzugekommen sind.

Von Hautkrankheiten spielte die Hauptrolle die Krätze, die trotz aller Behandlung bei der angeborenen Unreinlich- keit der Eingeborenen niemals ganz auszurotten sein wird.

Epidemisch aufgetreten ist in diesem Jahre das Dengue- fieber, das sich zuerst in Matupi zeigte und von da wahr­scheinlich nach Herbertshöhe und den umliegenden Ort-