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1902: 1900/1901
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Dentsch-Siidwestafrika.

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Anlage v. IV.

Misstonsberichte.*

g.) Bericht des Missionars Simon (Gibeon).

Die Schule litt besonders in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres unter der Erschwerung der Lebenshaltung, die der Ausfall einer ergiebigen Regenperiode verursachte. In der ersten Hälfte des Jahres hatte die Schule einen festen Stamm von ca. 130 Kindern, zu denen sich noch 2030 unregelmäßige Hospitanten gesellten. Zu Weih­nachten konnte diese Arbeitsperiode einen lieblichen Abschluß finden in Gestalt eines durchaus gelungenen Schuldestes, das unter den grünen Bäumen des Fischflusses gefeiert werden konnte und sich dank der Freigebigkeit der ansässigen deutschen Bevölkerung und der freundlichen Theilnahme derselben zu einem förmlichen Volksfest gestaltete.

Nach den Weihnachtsferien kam der grausame Um­schwung. Da kein Regen fiel, sahen sich eine große Anzahl von Familien genöthigt, ins Feld zu ziehen; die Kinder mußten mit und die hier bleibenden sich mit größerer Sorgfalt des Viehs annehmen, das weit hinaus gebracht werden mußte. Da die Dürre angehalten hat, so hat sich der Schulbesuch noch nicht wieder gehoben und beträgt zur Zeit 3050 Kinder. Auf Mittel zur Abhülfe ist ver­geblich gesonnen und solche auch wohl aussichtslos, seitdem sich selbst das Mittel der täglichen Speisung einiger Schul­kinder als unwirksam erwiesen hat. Durch die Freigebig­keit einiger der Herren Offiziere und Beamten war der Missionar in den Stand gesetzt, seit Weihnachten täglich fünf, zu Zeiten zehn Kinder, mit Reis zu versehen, aber selbst das hat die Kinder nicht zu sammeln vermocht.

Es ist erklärlich, daß unter diesen Umständen eine durchgreifendere Schulreform: Eintheilung in sechs Klassen zu drei Stufen, Aufstellung und Jnnehaltung eines genauen Stundenplanes und Beobachtung eines Stoffvertheilungs- planes auf dem Papier bleiben mußte und zu einer besseren Zeit der Verwirklichung entgegengehen soll. Inzwischen wird der Unterricht in der deutschen Sprache ganz besonders bevorzugt. Dank der Unterstützung der Kaiserlichen Re­gierung sind ja auch deutsche Lehrmittel bereits beschafft oder werden noch erwartet.

Während das Deutsch-Lesen sich nach seiner formalen Seite vervollkommnet hat, ist es natürlich materiell noch ziemlich auf seinem Tiefpunkt geblieben, insofern die Kinder nicht verstehen, was sie lesen. Der Grund ist, daß die grammatischen Uebungen recht langsam vorwärts schreiten. Wohl ist die Deklination und die Konjugation (starke, schwache, gemischte und unregelmäßige) gelernt; aber leider, so schnell der Nama auffaßt, so schwer hält er fest. Dazu kommt der Mangel an geeignetem Lesestoff; die Bibel ist zu schwer verständlich, besonders als Hülfsmittel beim fremdsprachlichen Unterricht, und die besten deutschen Volks- schul-Lesebücher setzen für ihr Verständniß einen Horizont und ein Gemüth voraus, das ein Namakind schlechterdings nicht hat und haben kann. Es sei an dieser Stelle die Bitte gestattet, ob nicht die Kaiserliche Regierung durch ihre geschulten Lehrer den geeigneten Stoff zusammenstellen

* Es liegen nur die beiden folgenden Spezial-Berichte von Missionaren der Rheinischen Misstonsgesellschaft vor.