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1902: 1900/1901
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Dentsch-Südwestasrika

1S8

Anlage v III.

Medyinalberichte.

u) Bericht über die Gesundheitsverhältniffe im Schutzgebiet im Jahre 1900/01.

Die Gesundheitsverhältnisse des Schutzgebietes stehen in ausgesprochener Weise auch weiterhin im Zeichen der Hygiene.

Die für Verbesserung des Schutzgebietes aufgewandten Mittel zeigen ihre segenbringende Wirkung vor Allem in einem abermaligen Sinken der Gesammtzahl der Kranken­zugänge.

Hatten wir im Jahre 1898/99 192«/» der Jststärke- Zugänge, so sank diese Zahl im folgenden Jahre auf 174°/«, um im vorliegenden Berichtsjahre abermals um 2?o/g her­abzusehen.

Wenn wir demnach mit den Zugängen an Kranken im Berichtsjahre auf 147 «/g der Jststärke angelangt sind, so ist damit gesagt, daß sich seit Einführung der Sanitäts­organisation die Gesundheitsverhältnisse um 45o/o gebessert haben.

Ganz besonders muß hervorgehoben werden, daß die Zugänge an Malaria abermals eine Abnahme erfahren haben, indem sie von 38o/g der Jststärke im Vorjahre, auf 29o/g in diesem, d. h. um 9°/«, gefallen sind. Diese Ab­nahme ist nicht zum Mindesten der Thatsache zu verdanken, daß das Kaiserliche Gouvernement den Schwerpunkt auf die vorbeugende Hygiene legt, um durch Erbauung geeigneter Unterkünfte die schädlichen Einflüsse des Klimas wirksam abzuschwächen.

Die Statistik zeigt demnach auch, daß der Krankheits­keim der Malaria jetzt kaum noch auf den Militärstationen selbst die Ansteckung zu Wege bringt, sondern daß die meisten Malariakranken sich auf Patrouillenritten und Reisen infizirt haben. Hier werden die transportablen Moskito­netze, welche die Truppe einzuführen ini Begriff ist, einen wirksamen Riegel vorschieben, und ich bin überzeugt, daß der Zugang an Malaria im nächsten Berichtsjahre nicht viel über die erste Dezimale an Prozenten herausgehen wird.

Ob sich die vom Herrn Geheimrat Koch angegebene Ausrottungsart der Malariaherde durch Chininverabreichung überall wird durchführen lassen, erscheint mir bei den hiesigen eigenthümlichen Verhältnissen fraglich. Durchgeführt wird diese Methode werden, und der Erfolg wird davon ab­hängen, inwieweit die Schnelligkeit der Ausführungen die Wanderlust der Eingeborenen unwirksam machen kann.

Hier in Deutsch-Südwestafrika haben wir andere Ver­hältnisse als in Neu-Guinea. Während im australischen Archipel die Eingeborenendörfer sich von ihrer Umgebung möglichst abschließen und demnach ein leicht zu handhabendes Ganzes bilden, ist hier in unserer Kolonie gerade das Gegentheil der Fall. Werften mit feststehender Bevölkerung haben wir eigentlich garnicht, sondern es findet ein fort­währendes Hin- und Herwandern und ein Austausch der Bevölkerungselemente statt.

Die Chininbekämpfung der Malaria stößt demnach auf annähernd dieselben Schwierigkeiten, wie die Heuschrecken­vertilgung; letztere wird zu keinem Resultat führen, wenn nicht der Vernichtungskrieg zur ein- und derselben Zeit,