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1902: 1900/1901
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Dentsch-Ostafrika.

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Anlage HV

Missionsberichte.

1. Katholische Missiousgesellschafteu.

a) Jahresbericht über die katholische Missions­thätigkeit in der apostolischen Präfektur Süd- Zanzibar.

Die apostolische Präfektur zählt gegenwärtig acht Missionsstationen: Dar-es-Salam und Kurasini im Bezirk Dar-es-Salam; Jringa und Madilina im Bezirk Jringa; Peramiko und Kigonsera im Bezirk Songea; Nyangao und Lukuledi im Bezirk Lindi. Auf diesen acht Stationen wirken 11 Patres, 13 Brüder, 2 Schwestern. Die Zahl der Katholiken in der Präfektur beträgt 1850; in 28 Schulen werden 785 Schüler unterrichtet. Beim Unterricht werden die Missionäre durch 21 eingeborene Lehrer unterstützt. In Kurasini, Jringa und Peramiko bestehen Schulen, in welchen besser talentirte Knaben gründlicheren Unterricht erhalten, um später als Lehrer oder, insoweit sie hierzu Neigung und Befähigung zeigen, als Hülfsbeamte beim Kaiserlichen Gou­vernement verwandt zu werden.

In seelsorglicher Hinsicht wird die Missionsthätigkeit an der Küste durch vielfache Hindernisse ungünstig beein­flußt; die Uhehe-Bevölkerung läßt sich nur sehr langsam für das Christenthum gewinnen; hingegen sind die Wan- goni für die Missionsthätigkeit sehr zugänglich und bei den Wayao und Makua im Bezirk Lindi besitzt die Mission bereits großen Einfluß und hat schon sehr erfreuliche Er­folge erzielt.

Auf allen unseren Stationen wurden, soweit die Ver­hältnisse es gestatten, auch Garten-Wirthschaft, Oekonomie und Viehzucht betrieben. Die Missionsschwestern in Dar- es-Salam pflegen mit den Mädchen des Internates aus­gedehnten Gemüsebau und erzielten besonders in diesem Jahre sehr günstige Erfolge. In Kurasini wurden, außer der Anlage großer Gemüsegärten, 12 Hektar mit Agaven beflanzt. Leider ist durch die Betriebseinstellung auf der benachbarten Plantage diese Anpflanzung werthlos geworden. Wir haben nun begonnen, eine kleine Vanilleplantage an­zulegen, um den Knaben Arbeitsgelegenheit zu geben. In Uhehe rentirt sich Rindvieh- und Schweinezucht gut; hin­gegen vermögen wir in Kartoffel- und Getreidebau nicht jene günstigen Resultate zu erzielen, welche man nach dem Rufe des Landes erwarten sollte. Die Ernte beträgt bei­nahe alljährlich nur das zwei- bis dreifache der Aussaat. Hingegen scheint Ungoni um vieles fruchtbarer und in jeder Hinsicht günstiger zu sein als Uhehe. Der Weizen erzielte dort eine zehnfache, die Kartoffeln eine fünfzehnfache Ernte. Da während der 45 Monate, welche auf die Regenzeit folgen, beinahe immer bedeckter Himmel ist, so kann man dort leicht zwei- bis dreimal Getreide pflanzen, Gemüse aber während des ganzen Jahres bauen. Auch Kaffee wächst sehr gut dortselbst.

Auf den meisten unserer Stationen herrschte in diesem Jahre eine eifrige Bauthätigkeit. Die neue Kirche in Dar- es-Salam hat jetzt das Dach erhalten. Von unseren Uhehe-Stationen baute man in Jringa eine hübsche ge­räumige Kirche, in Madilina ein Wohnhaus. Die Bauten in Uhehe werden dadurch sehr erleichtert, daß man aus dem dortigen Lehm Ziegel und Dachziegel brennen kann