Deutsch-Ostirfrika.
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Anlage IH.
Medizinal- und Ueterinär-Kerichte.
a) Medizinal-Bericht.
Der Gesundheitszustand der eingeborenen Bevölkerung war im Berichtsjahr im Allgemeinen günstig. Die in den vorhergehenden Jahren ausgeführten Impfungen haben in Verbindung mit der großen Pocken-Epidemie, welche vor zwei Jahren das Land verheerte, den Erfolg gezeitigt, daß zwar noch an einzelnen Stellen des Schutzgebietes kleinere Epidemien entstehen konnten, daß aber eine über das ganze Land ausgedehnte Verbreitung der Seuche als so gut wie ausgeschlossen betrachtet werden kann. Solche kleinere Epidemien suchten die Bezirke Moschi, Bukoba und Lindi heim.
Die Lymphe wurde in der bewährten kühlenden Verpackung nach dem Innern geschickt und erwies sich in den meisten Fällen als leistungsfähig.
Lepra wurde in vereinzelten Fällen beobachtet; besonders stark scheint die Seuche in den Nyassa-Ländern zu herrschen, die dortige Bevölkerung liefert dementsprechend auch eine verhältnißmäßig große Anzahl von Kranken für die Leproserien in Bagamoyo und Kilwa.
Die Pestgefahr ist im Berichtsjahr insofern noch größer geworden, als zu den beiden Herden, von denen bisher eine Einschleppung befürchtet werden mußte, Britisch-Jndien und Bezirk Bukoba, noch ein dritter, das Kapland, hinzugekommen ist. Die Nachrichten aus Kisiba am Victoria- See besagen, daß die Seuche dort in Abnahme begriffen ist und an Bösartigkeit verliert. Der Zeitpunkt, in dem dieser Herd für die ostafrikanische Küste in erhöhtem Maße gefährlich zu werden droht, rückt mit dem Vordringen der englischen Uganda-Bahn in immer greifbarere Nähe. Seit dem Bekanntwerden des Ausbruches der Pest im Kaplande werden die von Süden kommenden Dampfer einer verschärften Kontrole unterzogen. Auf sämmtlichen in Betracht kommenden Küstenstationen sind Senking'sche Desinfektionsapparate aufgestellt worden; ferner wurden die Bezirksämter angewiesen, über die in den Bezirken vorkommenden Todesfälle, soweit angängig, Listen zu führen und bei auffallenden Steigerungen der Mortalitätsziffer sofort Anzeige zu erstatten; außerdem wurde durch eine im amtlichen Anzeiger der „Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung" veröffentlichte Belehrung über das Wesen der Pest der Bevölkerung ermöglicht, sich über die wichtigsten Symptome und die Verbreitungsweise zu informiren. Die Quarantänestation von Dar-es-Salam, die dem Hafen vorgelagerte Insel Makatumbe, wurde bis auf wenige große Bäume abgeholzt und damit der seit langem auf derselben herrschenden Rattenplage Einhalt gethan.
Für die eintretenden Falles nöthige baldige Sicher- stellung der Diagnose sind im Laboratorium zu Dar-es- Salam alle Vorkehrungen getroffen.
Im Berichtsjahre mußten verschiedene Dhaus, welche, von Indien kommend, gegen die Ouarantänevorschriften verstoßen hatten, vor dem Dar-es-Salamer Hafen in zehntägige Quarantäne gelegt werden.
Von sonstigen tropischen Krankheiten unter der Eingeborenenbevölkerung sind folgende zu erwähnen.
Beriberi kam in Dar-es-Salam in mehreren Fällen in Zugang.