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1902: 1900/1901
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Samoa.

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Die Bauverwaltung läßt es sich angelegen sein und arbeitet darauf hin, die Steinbauten mehr und mehr zur Geltung zu bringen. In Samoa krankt das Baugewerbe daran, daß man sich schwer von dem, was vor 20 Jahren hier eingeführt war, trennen kann und weil die Händler auf den Verdienst des Holzimports nicht gern verzichten möchten. Auf Upolu sind von Privatpersonen fast durch­gängig nur Holzhäuser erbaut, ausgenommen von den Missionen; dagegen haben in Savaii mehrere Ansiedler Steinhäuser aufgeführt. Das Holz wurde und wird wohl auch in Zukunft von Amerika oder den Kolonien bezogen und ist großen Preisschwankungen unterworfen. Es sind hauptsächlich zwei Firmen, die Holz importiren; wird nun der Holzvorrath knapp, oder hat nur eine Firma Holz auf Lager, so werden unverhältnißmäßig hohe Preise ge­fordert.

Den Steinbauten ist nicht nur aus technischen Grün­den, wie lange Dauer, wenig Reparaturen rc. das Wort zu reden, sondern auch aus rein ökonomischen. Bei Holz­bauten wird ein großer Theil des Baupreises für Holz gezahlt und geht außer Landes. Für Steinbauten wird das Material wie Kalk, Sand, Steine an Ort und Stelle gewonnen und giebt Arbeit für Ansiedler und Eingeborene.

Die Tischler- und Schlosserarbeiten sind durchgängig aus Amerika oder den Kolonien eingeführte Waaren, da die deuische Industrie bei den hiesigen Preisen nicht kon- kurriren kann.

Als Dacheindeckung wurde durchgängig Wellblecheisen verwendet, das für die hiesigen Verhältnisse am besten paßt, wegen der schnellen Ableitung des Regenwassers, der leichten Dachkonstruktion und bequemen Eindeckung.

Dacheisen und Nägel werden zum Theil aus Deutsch­land eingeführt.

VI. Die wirthschaftlichen Verhältnisse.

a) Kandwirthschaft.

Von den Eingeborenen werden als Haupthandels­produkt Kokosnußpalmen, als Nahrungsmittel Bananen, Taro, Dams, Bataten, als Genußmittel Kava und Tabak und zur Lieferung von Bekleidung Una oder Tutuga (?ip- turu8 illvaons) kultivirt; daneben, jedoch in geringem Um­fang, auch Kakao und Kaffee.

Kokospalmen werden bisher von den Weißen mit Ausnahme der Deutschen Handels- und Plantagen- Gesellschaft der Südsee-Jnseln, die große Kokospflanzungen angelegt hat nur sehr wenig angebaut. Man schätzt das gesammte mit Kokospalmen bepflanpe Areal auf ca. 7500 Hektar, von denen im Berichtsjahre 6450 Tonnen Kopra meist nach Europa, aber auch nach Australien, Nord- und Südamerika exportirt wurden. Bei ihrer Unlust zur Arbeit haben es die Samoaner seit längerer Zeit verabsäumt, Neu- oder Ersatz-Anpflanzungen von Kokospalmen vor­zunehmen. Durch Gouvernementsverordnung ist jetzt jeder erwachsene samoanische Landeigenthümer angehalten, jährlich 50 Kokosnüsse zu pflanzen.

Eine ungewöhnlich lang anhaltende Dürre hat im Berichtsjahr der Kokosernte sehr geschadet. Die Kopra- produktion blieb um etwa 1350 Tonnen hinter der des Vorjahres zurück. Auch die Maltenvertheilung, die Monate lang die Mehrzahl der Samoaner von jeder produktiven Thätigkeit ablenkte, hat zu diesem Ergebniß beigetragen.

Die fremden Ansiedler haben sich im Allgemeinen den intensiveren Kulturen von Kakao, Kaffee, Vanille zugewendet; Nahrungsmittel werden nur für den Hausbedarf und für die Ernährung der Arbeiter gebaut. Die größte Schwierig­keit, welche der Entwickelung europäischer Pflanzungsunter« nehmungen entgegen steht, ist der chronische Mangel an