Jahrgang 
1902: 1900/1901
Entstehung
Seite
87
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De«tsch-Nru-Gui«ea rc.

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Der Hafen von Langer ist ausgebakt. Es wird an­gestrebt, auch das tiefe Fahrwasser innerhalb des Barriere- Riffs möglichst kenntlich zu machen; die Arbeiten sind mit großen Schwierigkeiten verknüpft, der Seegang beseitigt vielfach wieder die gesetzten Zeichen.

e) Die wirtschaftlichen Verhältnisse.

1. Allgemeines.

Die Aufnahme eines Pflanzungsbetriebs durch Euro­päer erscheint nur auf Kusaie und Ponape, und auch hier nur in beschränktem Umfang möglich.

Da es bisher nicht gelungen ist, Eingeborene als Arbeiter zu gewinnen, müssen die für den Pflanzungs­betrieb und für sonstige Zwecke nöthigen Arbeitskräfte über See eingeführt werden und sie stellen sich in Folge dessen recht theuer. Andererseits sind die Märkte weit entfernt und die Frachten dementsprechend hohe. Auf den Korallen- inseln kommen überhaupt nur Eingeborenen-Kulturen in Betracht. Das Gebiet der Ost-Karolinen hat mithin als Pflanzungskolonie keine günstigen Aussichten, es wird viel­mehr vorzugsweise eine Handelskolonie bleiben.

2. Kaildmirthschaft.

Der Boden besteht aus verwittertem Basalt; der an sich fruchtbare Lehmboden (rothe und gelbe Erde) ist fast überall abgeschwemmt. Tiefgründiges Land ist nur an wenigen Stellen vorhanden. Ueberall tritt der Basalt zu Tage und läuft in mächtigem Geschiebe wenige Fuß unter der Bodenfläche hin. Bei den starken Niederschlügen, die während des ganzen Jahres fallen, sind Kulturpflanzen, welche einer ausgesprochenen Trockenzeit zu ihrer Ernte und Aufbereitung bedürfen, so gut wie ausgeschlossen. Als Ergebniß der bisherigen Beobachtungen und Versuche, welche freilich nur die Zeit von 1^/z Jahren umfassen, darf ausgesprochen werden, daß Bäume aller Art gut ge­deihen; namentlich ist das Land an Hartholz reich.

Der Kokospalme sagt der steinige Boden nicht zu; die Elfenbeinnuß gedeiht vorzüglich. Gut scheinen fortzu­kommen Castilloa (aus Guatemala), Jlang-Jlang und tro­pische Obstbäume, wie Durion, Mango, lllugeuia oäulis, Citronen. Versuche mit Kaffee (Liberia) und Tabak aus Manila stammend fielen wenig ermuthigend aus. Ein­geführte Bambusse zeigen ein schwaches Wachsthum. Alle Arten von Musa scheinen gut zu gedeihen; die beschatteten, dem Winde abgekehrten Bergeshänge scheinen namentlich der Llusa isxtilis zuzusagen. Mais gedeiht mittelmäßig. Europäische Gemüse und Blumen zeigen sich lebensfähig nur auf besonders gut zubereitetem Boden.

Die Viehzucht findet gute Bedingungen. Auf Ponape, Ruk und Kusaie gedeihen Rinder, Ziegen und Schafe, Im Norden der Insel Ponape ist das Rindvieh mit der Zecken- krankheit (Texasfieber) behaftet. Die Zecken wurden früher von Manila eingeschleppt.

Größere Pflanzungsbetriebe sind bisher nicht vor­handen. Auf Ponape unterhalten der Eingeborene Henry Nanpei in Ronkiti und der Portugiese Joaquin Gili- mete in Not kleine unregelmäßig angelegte Kokos- pflanzungen, mit denen sie Viehzucht verbinden. Ersterer besitzt annähernd 50, letzterer 20 Häupter Rindvieh.

Die Versuche der Regierung, die Eingeborenen zur Anlage größerer Kokospflanzungen zu veranlassen, hatten bisher nur im Stammesgebiet von Küi und auf den Änt- Jnseln einigen Erfolg; auf den letzteren wurden bis jetzt 3600 Nüsse ausgesetzt. Der Pflanzungscifer bei den übrigen Stämmen machte bald wieder der hergebrachten Abneigung gegen jede Art regelmäßiger Arbeit Platz.