Jahrgang 
1902: 1900/1901
Entstehung
Seite
80
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eines stattlichen Hotels in Herbertshöhe durch die Firma Forsayth; außerdem die Neubauten der Neu-Guinea-Kom- pagnie in Friedrichs-Wilhelmshafen, die durch die Ueber- führung des Hauptbetriebes von Stephansort nach dem erwähnten Platz nöthig wurden. In Nusa ist die Errich­tung einer Filiale der Firma Hernsheim L Co. zu er­wähnen.

«) Die wirthschastliche Entwickelung.

1. Urproduktion und Plantagenwirthschaft.

Die Gewinnung von Trepang und Muscheln hat eine kleine Vermehrung erfahren; dagegen ist der Handel mit Schildpatt stark zurückgegangen, und zwar in Folge der fortschreitenden Abnahme der Schildpatt tragenden Schild­kröten. Die Gewinnung dieser Meeresprodukte wurde ganz vorwiegend von den Eingeborenen betrieben. Allerdings bestanden vier Konzessionen für Perlschalfischerei nach europäischer Art, aus welchen das Gouvernement eine Jahrespacht von 1500 ^ bezog; aber es gelang den Pächtern soweit sie überhaupt Fischerei betrieben nicht, ihre Unkosten zu decken.

Die Pflanzungsthäligkeit der Eingeborenen ist in all­mählicher Entwickelung begriffen; sie erstreckt sich bisher fast nur auf Aam, Taro, Bananen und Kopra. Die Kopraproduktion der Eingeborenen suchte das Gouvernement durch eine Verordnung vom 18. Oktober 1900 zu fördern, durch welche der Ankauf ganzer Kokosnüsse von den Ein­geborenen zum Zweck der Koprabereitung unter Verbot ge­stellt wurde. Die scharfe Konkurrenz im Koprageschäft hatte vielfach dazu geführt, daß seitens der Händler die ganzen Kokosnüsse angekauft wurden; dadurch wurde den Eingeborenen die Arbeit des Kopraschneidens abgenommen und so ihr natürlicher Hang zum Nichtsthun bestärkt. Dieser der Erziehung der Eingeborenen zur Arbeit hinder­liche Mißstand soll durch das erwähnte Verbot abgestellt werden.

Zur Anlage von Pflanzungen wurden im Berichtsjahr an sieben Interessenten rund 2170 da Land verkauft; davon entfielen auf den Bismarck-Archipel 1670 da und auf Kaiser-Wilhelmsland (Katholische Mission vom göttlichen Wort) 500 da.

Was die einzelnen Kulturarten anlangt, so herrschen im Bismarck-Archipel die Kokosplantagen mit Baumwolle als Zwischenpflanzung vor. Die großen Palmenpflanzungen der Firmen und der katholischen Mission im Archipel nahmen erheblich an Umfang und Ertrag zu. Daneben wird in kleinerem Umfang, aber bisher mit gutem Erfolg, Kaffee und Kakao gebaut, ebenso für den eigenen Verbrauch der Plantagen Mais, Dam, Taro, Bohnen. Auch Kapok wird kultivirt, und hier und dort werden Versuche mit Pfeffer und Gummibäumen gemacht.

Entgegen früheren Ansichten werden die Bedingungen für den Pflanzungsbetrieb im Bezirk Nusa günstig beurtheilt. Die in den Pflanzerkreisen Neu-Pommerns verbreitete Anschauung, daß der Boden in Neu-Mecklenburg zu viel Grundwasser habe, um eine rationelle Bewirthschastung zu ermöglichen, hat sich als unbegründet herausgestellt. Der Boden ist vielmehr theils Prärienboden, der die Anlage vonKokospflanzungen im großen Maßstab ermöglicht; oder er ist Waldboden, der nach den bisher beobachteten günstigen Regenverhältnissen fast für jede Kultur geeignet erscheint. Das Gouvernement selbst ist mit der Anlage einer Kokos­nuß-Pflanzung in Nusa vorgegangen, die jetzt 12000 Bäume umfaßt. Davon sind etwa 9000 Stück von eingeborenen Häuptlingen mit ihren Leuten gepflanzt worden, wofür an Kosten ca. 1000 erwachsen sind. Hinsichtlich der Rein­haltung der Pflanzungen ist mit den Häuptlingen ein Ab­kommen geschlossen worden, nach welchem diese die Reinigung