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1902: 1900/1901
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Deutsch-Ne»-Gui«ea rc.

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I. Deutsch-Neu-Guinea.

(Bismarck-Archipel und Kaiser Wilhelmsland.)

n) Bevölkerung.

An weißen Bewohnern wurden am 1. Januar 1901 301 gezählt gegen 306 im Vorjahr; davon kamen 204 auf den Bismarck-Archipel und Nusa, 97 auf Kaiser Wilhelmsland. Mehr als zwei Drittel der weißen Be­wohner sind Deutsche, 206 von 301; an zweiter Stelle kommen die Engländer mit 33, an dritter die Holländer mit 20. Die Deutschen hatten gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um 20 Köpfe zu verzeichnen, während die nicht- deutschen Weißen um 25 abnahmen. Unter der gcsammten weißen Bevölkerung waren 46 Frauen und 27 Kinder. Unter den 228 erwachsenen Männern waren 13 Beamte, 77 Missionare und Bruder, 56 Kaufleute und Händler, 19 Pflanzer, 68 Handwerker, Seeleute, Techniker rc., 4 Aerzte und Heilgehülfen, 1 Forschungsreisender.

Auf den Plantagen von Deutsch-Neuguinea ist eine größere Anzahl von Melanesen, Malaien und Chinesen als Arbeiter rc. beschäftigt.

Hinsichtlich der Zahl der Eingeborenen-Bevölkerung und ihrer Veränderung fehlt es bis jetzt an zuverlässigen Anhaltepunkten. Fehden, Kindermord und verheerende Krankheiten wirken einer Vermehrung entgegen; auf einzelnen kleineren Inselgruppen ist ein allmähliches Aussterben der Eingeborenen zu beobachten.

Aal

b) Klima und Gesundheitsverhältnisse.

Im Archipel-Bezirke zeichnete sich das Berichtsjahr Anlag durch außerordentlich hefiige und plötzliche Niederschlüge aus. ^ Selbst der poröse vulkamjche Boden bei Herbertshöhe ver­mochte die so schnell herunterstürzenden Wassermassen nicht aufzunehmen, so daß diese an den frisch erbauten Wegen und dem neu erbauten Bootshafen der Kompagnie große Zerstörungen anrichteten. Am 12. September Morgens 8 Uhr fand ein besonders starkes Erdbeben statt, welches kleinere Schäden auch an vielen Europäerhäuscrn ver­ursachte und die leichtgebaute katholische Missionsstation am Varzin-Berge zum Einsturz brachte. Das Erdbeben war begleitet von einer Fluthwelle, die jedoch ohne Schaden verlief. Die Erderschütterungen dauerten mit kurzen Unter­brechungen den ganzen Tag über fort und versetzten die farbige und europäische Bevölkerung in große Unruhe. Das Erdbeben schien von den VulkanenVater" undSohn" an der Nordküste von Neu-Pommern auszugehen.

Schwächere Erdbeben wurden während des ganzen Jahres beobachtet. Gewitter kamen selten vor und waren nicht heftig.

Der Nordwestpassat setzte im Archipel mit einer ganz außerordentlichen Stärke ein, um am 7. Dezember in einen sehr heftigen Sturm überzugehen. Durch diesen Sturm wurden Häuser abgedeckt, Palmen entwurzelt und auf der Rhede von Herbertshöhe sämmtliche Landungsbrücken sowie ein großer Theil des Bootsmaterials zerstört. Auch fiel dem Sturme der Händler Molde, der von den Admiralitäls- inseln nach Neu-Hannover unterwegs war, mit seiner farbigen Bootsbesatzung zum Opfer.

Auch in Kaiser Wilhelmsland war im Berichts­jahre der Regenfall besonders stark, während heftigere Erd­beben und Fluthwellen dort nicht beobachtet wurden.

Der Gesundheitszustand im Bismarck-Archipel ließ namentlich in der Zeit von Nordwest- zum Südostpassat zu wünschen übrig. Außer Erkältungskrankheiten kamen in dieser Zeit Malariafälle häufiger vor. Vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 starben im Archipel 6 Europäer, da­von zwei an Schwarzwasserfieber und je einer an Malaria,