Deutsch-Südwestafrika.
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Deutsch-Südwestasrika.
(Berichtsjahr: 1. Juli 1900 bis sO. Juni 1901.)
I. Allgemeines.
Innerhalb des Schutzgebiets erlitt das gute Einvernehmen zwischen der deutschen Verwaltung und den Eingeborenen nur einmal eine Störung, und zwar aus folgendem Anlaß:
Seitens des Gouvernements war angeordnet worden, daß die Verwaltungsbehörden in den Gebieten von Reho- both und Gibeon sich darüber vergewissern sollten, mit wie vielen Pferden die Bastards und Witboois, im Falle dies erforderlich sein sollte, ihre eigenen, als Soldaten ausgebildeten Mannschaften freiwillig würden beritten machen wollen und können. Allein während die Witboois bereitwillig entgegenkamen, widersetzten sich die Bastards von Grootfontein, ein kleiner Stamm, welcher im Jahre 1894 von der Regierung selbst in dem westlichen Theile des Gibeoner Bezirkes unter ihrem Kapitän Klaas Zwarts angesiedelt worden war, jeder bezüglichen Aufforderung. Sie traten sogar dem kurz vorher eingesetzten Distriktschef mit den Waffen in der Hand entgegen, so daß dieser un- verrichteter Sache abreiten mußte. AIs er, um die Widerspenstigen zum Gehorsam zurückzuführen, mit verstärkten Machtmitteln zurückkehrte, eröffneten die Ausständigen ohne Weiteres das Feuer. Nun waren ernste Feindseligkeiten nicht mehr zu vermeiden. Es wurden sofort Verstärkungen beigezogen, darunter auch der Kapitän Witbooi, und einer Abtheilung von diesem ergaben sich schließlich die Bastards. Leider waren vorher im Laufe der Feindseligkeiten bereits ein deutscher Soldat, der Reiter Reer, und ein Witbooi- soldat, außerdem auch der Kapitän der Aufständischen, Klaas Zwarts, gefallen. Die Gefangenen wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und je nach der Schwere ihrer Verbrechen zum Tode oder zu Freiheitsstrafen verurtheilt. Indessen wurden auch die erkannten Todesstrafen im Gnadenwege in Freiheitsstrafen umgewandelt. An dem Ereignisse nahmen, abgesehen von den zur Unterstützung herangezogenen Witboois, sowie einem kleinen Theile der Bethanier-Hottentotten, die übrigen Eingeborenenstämme nur passiv Antheil. Die Bondeszwarts hielten allerdings, als die Nachrichten von dem Aufstande nach dem Süden drangen, Versammlungen ab, um das Ereigniß zu besprechen, doch scheinen keinerlei kriegerische Unternehmungen geplant worden zu sein. Das Gerücht von einem im Werke befindlichen Aufstande der Veldschoendrager, das in Verbindung mit den Grootfonteiner Unruhen entstand, erwies sich alsbald als Erfindung.
Wie sehr im Allgemeinen das Vertrauen der Eingeborenen zur deutschen Verwaltung zugenommen hat, zeigte sich bei der Expedition, welche die Truppe unter Führung des Gouverneurs in den Monaten Oktober bis Dezember 1900 nach dem Norden des Schutzgebiets unternahm. Ueberall wurden der Truppe seitens der Eingeborenen Sympathiebezeugungen entgegengebracht. Der Oberhäupt-