Jahrgang 
1902: 1900/1901
Entstehung
Seite
51
Einzelbild herunterladen
 

Außer an diesen Hauptstraßen wurde an einer Anzahl von Nebenwegen gearbeitet. So wurden die Dörfer am Adaklu und die Landschaft Agotime mit der Hauptstraße LomeMisahöhe verbunden; die Bee-Dörfer, zu denen seit­her nur ein Buschpfad führte, sind durch einen 3 m breiten und festen Weg, dessen Fortsetzung bis Nable am Sio im Bau begriffen ist, dem Verkehr erschlossen worden. Auch der Brunnenbau an den Straßen ist erfolgreich ge­fördert worden. Bei allen diesen Arbeiten wurden die benachbarten Eingeborenen zur unentgeltlichen Beihülfe herangezogen, die sie, mit Ausnahme eines bereits erwähnten Falles, willig leisteten.

Ein schweres Hinderniß für die volle Ausnutzung der Wege besteht jedoch darin, daß es bis jetzt nicht in befriedi­gender Weise gelungen ist, leistungsfähige und gegenüber der Surra-Krankheit widerstandsfähige Zugthiere zu züchten.

Der Bau eines Telegraphen von Lome nach Palime erscheint für das nächste Etatsjahr gesichert. Der Tele­graph wird der Handelsstraße folgen und an seinem End­punkte der Station Misahöhe, der Agu-Pflanzung, der Pflanzung von Schuldt und Patzer und verschiedenen mit Europäern besetzten Missionsstationen den Anschluß möglich machen.

Die Arbeiten an der Landungsbrücke in Lome sind einer Privatfirma übertragen worden, mit der auch Ver­handlungen wegen Uebernahme des Baues der Eisenbahn LomeKlein-Popo schweben.

Die Anschüttung des todten Lagunenarmes bei Klein- Popo hat im Berichtsjahr keine erheblichen Fortschritte ge­macht, da alle verfügbaren Mittel auf den Wegebau ver­wendet wurden. Die Arbeiten an dem Verbindungsdamm zwischen Klein-Popo und Adjido mußten in Folge technischer Schwierigkeiten bis zum Eintreffen eines Fachmannes ver­schoben werden.

In Lome wurden die Bismarck-, Post- und Markt­straße befestigt und drei massive Brunnen angelegt. Das Beamtenhaus wurde fertig gestellt; das Gebäude ist, nahe am Meere gelegen, eine weithin sichtbare Zierde der Stadt. Es wurde unter der Leitung eines Baumeisters ausschließ­lich von Eingeborenen aufgeführt, die größtentheils in den letzten fünf Jahren am Platze herangebildet wurden. Namentlich die Stuck- und Tischlerarbeiten machen den eingeborenen Handwerkern alle Ehre.

Die Arbeiten am Gouvernementshaus sind wenig fort­geschritten. Das Krankenhaus für Eingeborene in Lome geht seiner Vollendung entgegen.

Auf den Stationen im Innern wurde eine größere Anzahl von theilweise massiven Neubauten (Stationshäusern, Küchen, Wirthschaftsgebäuden, Kasernen, Gefängnissen) auf­geführt. Die Trinkwasserverhältnisse wurden durch An­lage von Cementbrunnen und Cisternen verbessert.

Auch die private Bauthätigkeit war, namentlich in Lome, sehr lebhaft. Der Bau der Kirche der katholischen Mission schritt vorwärts, die Kaufleute erweiterten ihre Geschäfts­räume und ließen theilweise größere Neubauten ausführen; selbst bei den Eingeborenen zeigte sich das Bestreben, ihren wachsenden Wohlstand durch den Bau stattlicher Häuser zum Ausdruck zu bringen.

VI. Die wirthschaftliche Entwicklung.

a) Die ArbeiterverlMtnijse.

Die Arbeiterverhältnisse werden durchweg als be­friedigende bezeichnet. Fälle von Sklavenhandel sind nicht zur Kenntniß der Behörden gekommen und dürfen als ausgeschlossen erscheinen. Wo unter den Eingeborenen ein Hörigkeitsverhältniß besteht, ist die Abhängigkeit eine milde, so daß die Bezeichnung als Sklaverei nicht zutreffend ist. Wie sehr die unfreie Arbeit an Boden verloren hat, geht daraus