Jahrgang 
1902: 1900/1901
Entstehung
Seite
46
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Togs.

(Berichtsjahr: 1. Juli 1900 bis Z0. Juni 1901.)

I. Allgemeines.

Die äußere Abgrenzung des Schutzgebietes geht ihrem Abschluß entgegen. Die durch das deutsch-englische Ab­kommen vom 14. November 1899 vorgesehene gemischte Kommission wird die weitere Regelung der Westgrenze in Gemäßheit des erwähnten Abkommens durchführen.

Im Innern ist das Schutzgebiet pazifizirt. Die Ein­geborenen zeigten sich fast überall willig zur Leistung des ihnen auferlegten Wegebaues. Nur einige an der eng­lischen Grenze im Bezirk Misahöhe gelegene Dörfer machten Schwierigkeiten wegen Gestellung von Arbeitern für den Wegebau. Dadurch wurde eine etwa fünfwöchentliche Ex­pedition nöthig. Nur in einem Falle jedoch, in Agotime, war der Waffengebrauch nicht zu vermeiden: 14 Einge­borene wurden getödtet, 3 verwundet. Dieses Einschreiten verfehlte seine Wirkung nicht. Die Leute von Agotime kamen fortan gehorsam und willig zur Wegearbeit, und sie haben sich von selbst erboten, den den Weißen feindlichen Javhe- kultus abzuschaffen. Abgesehen von diesem einen Fall wurde die Ruhe im Schutzgebiet während des Berichts­jahres nirgends gestört.

Die Bezirkseintheilung hat insofern eine Aenderung erfahren, als die Landschaften Alfaire und Nanumba dem Bezirk Kratschi und die Landschaften Sodö und Littime dem Bezirk Atakpame zugetheilt wurden. Der Bezirk Dagomba hat in Jendi eine Europäerstation erhalten; er wird vom Bezirksleiter in Mangu mit verwaltet. Eine große Anzahl von Nebenstationen und Posten sind neu er­richtet worden.

Es wird fortgesetzt darauf Bedacht genommen, die Eingeborenen im höheren Maße zur Mitwirkung bei der Verwaltung und Rechtspflege heranzuziehen. Dabei besteht die Schwierigkeit, daß sich keineswegs alle Eingeborenen- Häuptlinge zu einer solchen Mitwirkung eignen und daß vielfach das Ansehen und die Macht der Häuptlinge bei ihren Unterthanen nur sehr gering ist. Größere politische Verbände bestehen nur im Hinterland, wo jedoch die Häupt­lingswürde im Allgemeinen nicht erblich ist; an der Küste dagegen hat jedes größere Dorf seinen eigenen Häuptling. Um die Eingeborenen für die Zwecke der Verwaltung besser zu erziehen, sind im Hinterland vielfach die vermuthlichen Erben der Könige zeitweise auf den Stationen behalten worden, um mit den Anschauungen und Zwecken der Regierung vertraut zu werden. Günstige Erfolge sind erzielt worden durch die Heranbildung einheimischer Polizisten, die zur Besetzung von Außenstationen und Posten verwendet oder den Häuptlingen beigegeben worden sind. Die Polizisten, meist Angehörige der Häuptlinge, werden auf den Haupt­stationen für einige Zeit eingestellt und erzogen, erhalten Instruktionen und werden dann zur Besetzung der Außen­stationen und Posten und zur Unterstützung der Häuptlinge in ihre Heimathorte geschickt. Sie erhalten keine regel­mäßige Bezahlung, sondern nur Uniform und gelegentliche