Drutsch-Ostafrika.
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3. durch Einführung eines festen Etats für die jährlich zur Instandhaltung der Dampfer benöthigten Materialien und Inventarien.
Der Zustand der Gouvernementsdampfer ist sowohl in Bezug auf Schiffskörper als auch Kessel- und Maschinen- anlagen ein durchweg befriedigender, so daß bei dauernd sachgemäßer Behandlung in den nächsten zwölf Jahren Ersotzbauten für die Dampfer nicht nothwendig werden dürften.
Der Betrieb der Flottillen-Werkstätten hat sich lebhafter gestaltet, da — theils aus pekuniären Rücksichten, theils zur Hebung der Leistungsfähigkeit der Werkstätten — dazu übergegangen wurde, sämmtliche Arbeiten und Reparaturen der Flottille in den Werkstätten ausführen zu lassen und aus Deutschland nur das Rohmaterial zu beziehen. Besonders vervollkommnet wurde die Modelltischlerei und Gießerei; ferner wurde eine Verzinkerei angelegt. Die Bootsbauerei wurde, da die beschränkten Räume den gesteigerten Ansprüchen nicht mehr genügten, um eine Fläche von 434 qm vergrößert.
In der Zeit vom 1. August 1900 bis 31. März 1901 wurden in den Flottillen-Werkstätten Arbeiten für die verschiedenen Gouvernementsstellen im Gesammtbetrag von 4700 -/A, für Private im Gesammtbetrag von 5132,40 ausgeführt.
Das Wasserdepot erzielte für Frischwasser, das an Kriegsschiffe, an Dampfer der Deutsch-Ostafrika-Linie und andere Schiffe geliefert wurde, 561,40 seit dem 12. Juli 1900 wird für die Tonne der Betrag von 2 Rupien, von deutschen Kriegsschiffen von 1 Rupie, gegenüber einem Satz von 3 Rupien in Zanzibar, erhoben.
Die Befeuerung und Betonnung der Küste, sowie der Signaldienst geben zu Ausstellungen keinen Anlaß.
VI. Die rvirthschaftliche Entwickelung.
a) Prsduktions- und Absahverhältnisse im Allgemeinen.
Das Klima und der Boden von Deutsch-Ostafrika lassen die feineren Kulturen fast nur in den höheren, bewaldeten Bergländern als aussichtsvoll erscheinen. Der größte Theil des Niederungslandes ist nur zur Erzeugung von weniger werthvollen Massenartikeln geeignet, wie sie jetzt schon die Eingeborenen in ihrem primitiven Wirthschaftsbetrieb produziren. In Anbetracht dieses Umstandes fällt es für die Förderung der wirthschaftlichen Entwicklung des Schutzgebietes doppelt schwer ins Gewicht, daß leistungsfähige und billige Transportmittel bisher nahezu gänzlich fehlen.
Dieser Mißstand macht sich schon bei den werthvolleren Kulturgewächsen, wie Kaffee, außerordentlich schwer fühlbar. Der europäische Plantagenbetrieb ist vollständig an die Nähe der Küste gebunden. Es giebt weite Strecken in Deutsch-Ostafrika, in denen der Deutsche ohne größere Gefahr als in anderen tropischen Gebieten leben kann und welche günstige Bodenbedingungen für den Plantagenbetrieb haben; aber nur in solchen Gegenden haben Ansiedler Aussicht auf Erfolg, wo sie auf einen bequemen und billigen Absatz ihrer Produkte rechnen können. In dieser Beziehung ist selbst für das küstennahe Gebiet von West- usambara, in Folge der Zurückstellung des Bahnbaus bis Mombo, die Lage eines Ansiedlers noch eine sehr unsichere. Bis zur Fertigstellung der Bahn bis Mombo glaubt deshalb das Gouvernement Niemanden ermuthigen zu können, sich dort niederzulassen; dagegen ist es selbstverständlich bereit, Leute, die sich auf eigene Verantwortung dort ansiedeln, durch Gewährung der möglichsten Erleichterungen zu unterstützen.
Noch schlimmer sind die Wirkungen des mangelhaften Transportwesens für den sich in der Hauptsache auf die