Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
489
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Gesundheitsdienst.

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8. Begräbniswesen.

Keine Änderung. Es sind 3 Friedhöfe, 1 Regierungsfriedhof für Europäer, 1 solcher für Farbige und 1 Friedhof der katholischen Mission vorhanden.

Die früher geübte Beisetzung in den Hütten ist verboten.

9. Organisation des Sanitätswesens.

6 Gesundheitsaufseher begehen täglich die Stadt nach der durch die Stechmückenverordnung gegebenen Einteilung.

Larven werden dem Regierungsarzt vorgezeigt, welcher die Anzeige an das Bezirksamt erstattet.

II. Gesundheitsdienst.

10. Seuchenbekämpfung.

Pocken.

Ende August 1910 griff die Seuche, die in dem benachbarten französischen Gebiet schon einige Zeit bestanden hatte, auf die öst­lichen Teile des Bezirks Anecho über und brach hier innerhalb weni­ger Wochen an örtlich weit auseinander gelegenen Punkten aus, zu­erst in dem Markt Aklaku, dem Kreuzungspunkt vieler aus französi­schem Gebiet kommender Handelswege. Die westlichen Teile des Bezirks, westlich ungefähr des durch den Ort Wokutime gehenden Meridians, in denen im Jahre 1909 etwa 70 000 Menschen geimpft worden waren, schienen vorläufig verschont zu bleiben. Von einem aus Europa bezogenen Stamm Trockenlymphe konnte nach einer Menschenpassage reichlich Retrovaccine gewonnen werden. Es wurden in der Folge im ganzen etwa 150000 Portionen Lymphe in Anecho hergestellt, von denen etwa die Hälfte an den Bezirk Misa- höhe und andere Bezirke abgegeben wurden. Mit der verbleibenden Hälfte gelang es, den östlichen Teil des Bezirks in kurzer Frist so gründlich durchzuimpfen, daß die Seuche erlosch, ohne nennenswerte Opfer erfordert zu haben. In diesen Teilen wurden im ganzen gegen 50 000 Personen geimpft.

Ende 1910 schien die Seuche vollkommen erloschen, als Mitte Januar 1911 aus den westlichen, früher durchgeimpften Teilen des Bezirks von vielen Stellen Ausbrüche der Pocken gemeldet wurden. Auch hier hat die sofort durchgeführte Tmpfung, im ganzen etwa 18 000 Personen, die Krankheit überall unterdrückt, mit Ausnahme des Ortes Akumavhe, wo trotz dreimaliger Impfung gegen 250 Per­sonen gestorben sind. Die Gründe für die Schwere der Epidemie sind mit darin zu suchen, daß der Ort die Krankheit erst dann dem Bezirksamt meldete, als sie schon weit ausgebreitet war; dann hat sich bei den beiden, ersten Impfungen ein großer Teii der Bewohner der Impfung entzogen, schließlich aber kommt auch noch hinzu, daß