Gesundheitsdienst.
39 1
II. Gesundheitsdienst.
7. Seuchenbekämpfung.
1. Pocken.
Größere Pockenepidemien, wie sie in den früheren Jahren in den verschiedensten Teilen der Kolonie wüteten und ganze Stämme dezimierten, sind im Berichtsjahre nicht aufgetreten. Außer einem sporadischen Pockenfall in Duala und vereinzelt gebliebenen Blatternerkrankungen im Dume- und Molundubezirk wurden noch einige kleine, lokal begrenzte Epidemien in verschiedenen Dörfern der Straße Lolodorf-Edea beobachtet. Die rasch vorgenommenen Durchimpfungen in den genannten Gebieten verhinderten ein weiteres Umsichgreifen der Seuche.
In allen Bezirken des Schutzgebietes wurden die Impfungen der Eingeborenen - Bevölkerung fortgesetzt. Wie schon in den Medizinalberichten 1908/09 und 1909/10 hinlänglich beleuchtet, begegnet die rationelle Durchimpfung der einzelnen Bezirke noch recht erheblichen Schwierigkeiten.
Der Bezirkschef von Banjo berichtet über diesen Punkt: Der
größte Teil der Bevölkerung steht der Impfung verständnislos gegenüber und erblickt in ihr lediglich eine Belästigung durch den Europäer. Viele glauben, daß ihnen ein Mal der Abhängigkeit aufgedrückt werden soll. So ist es denn die Regel, daß, wenn der Arzt in einer Ortschaft zum Impfen erscheint, viele Einwohner, besonders Weiber und Kinder, flüchten. Die Durchimpfung des ganzen Bezirks wird aus diesen Gründen auch fernerhin noch auf Schwierigkeiten stoßen und längere Zeit in Anspruch nehmen.
Ähnliche Berichte liegen noch von mehreren Dienststellen, wie Dschang, Bamenda, Garua und Kusseri, vor.
Geimpft wurden im Berichtsjahre 122340 Eingeborene mit einem durchschnittlichen Erfolg von etwa 70 °/ 0 .
In der überwiegenden Mehrzahl wurden die Impfungen mit im Schutzgebiet hergestellter Lymphe ausgeführt, die an Virulenz die aus Deutschland bezogene durchschnittlich um 10 °/ 0 übertraf.
Die in den beiden verflossenen Berichtsjahren begonnenen Versuche mit Selbstgewinnung von Lymphe wurden mit Eifer und Energie fortgesetzt und führten vielerorts zu recht befriedigenden Resultaten.
Von den vielen, diesen Gegenstand behandelnden Berichten der einzelnen Stationsärzte seien nur die wichtigsten wiedergegeben.
Kusseri. In Kusseri wird wirksame Lymphe dauernd hergestellt und erhalten. Auch in Dikoa, Bongor und Mogrum wurde Lymphr bereitet. Die hier bereitete Lymphe wird in einer an einem schattigen Ort stehenden Kiste aufbewahrt, die mit nassem Sand gefüllt ist, der zweimal am Tage mit kaltem Wasser angefeuchtet wird. Diese Art der Aufbewahrung, die auch auf Expeditionen und Impfreisen beibehalten worden ist, hat sich bisher gut bewährt. (Oberarzt T r e p p e r.)