Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
409
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D. Käwieng. Europäer.

409

VIII. Viehseuchen.

Viehseuchen traten im Berichtsjahre in Kaiser Wilhelmsland nicht auf. Von Professor Fülleborn wurden neuerdings bei Hunden von Eingeborenen Filarien nachgewiesen, die von ihm wohl noch näher werden bestimmt werden.

D. Käwieng.

(Berichterstatter: Dr. Runge.)

I. Europäer.

1. Allgemeine Gesundheitsverhältnisse.

Im Berichtsjahr 1908/09 lebten im Bezirk Käwieng und den an­liegenden Inseln 42 Weiße bzw. Halbblut, darunter 9 Frauen und 6 Kinder. Im Laufe des Jahres kamen dazu 3 Kinder, während 1 Kind starb.

Die Gesundheitsverhältnisse unter den Weißen waren im allge­meinen zufriedenstellend, wenn auch einige recht schwere Erkran­kungsfälle vorkamen.

2. Kasuistik der Europäerkrankheiten.

a. Malaria.

Den Hauptkontingent der Erkrankung stellte natürlich die Ma­laria, und es ist bemerkenswert, daß sie recht oft an Plätzen auftrat, die bisher als vollkommen malariafrei gegolten hatten. Wahrschein­lich hängt dieser Umstand mit der Zuwanderung aus Kaiser Wil­helmsland resp. Neu-Pommern heimkehrender Arbeiter zusammen, zumal da die Weißen Neu-Mecklenburgs in bezug auf Malariapro­phylaxe recht lässig sind und auch schon oft bei ihren Arbeitern Fiebersymptomen nicht sofort entsprechend entgegengetreten.

Verschiedene chirurgische Leiden wurden behandelt, ebenso recht häufig Erkältungskrankheiten, sowie Fälle von Blasenleiden und Frauenleiden.

b. Geburten.

Geboren wurden drei Kinder, auffälligerweise verliefen die drei Geburten nicht normal. Wegen der großen Entfernungen und weil die Eltern den wahrscheinlichen Termin der Entbindung nicht genau angeben konnten, kam der Arzt in zwei Fällen zur eigentlichen Ent­bindung zu spät und fand bei einer primipara einen Dammriß 2. Grades, der sofort vernäht wurde, vor, bei einer secundipara hatten sich, als der Arzt nach zwei Tagen ankam, Zeichen von Puerperal­fieber eingestellt. Es wurde manuell der Plazentarest entfernt und nach desinfizierenden Spülungen ging das Fieber zurück. Bei der dritten Entbindung wurde die Placenta manuell entfernt. Die ge­borenen Kinder, zwei Mädchen und ein Knabe, waren gesund.