Jahrgang 
1910: 1908/09 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
386
Einzelbild herunterladen
 

386

Y. Deutsch-Neu-Guinea. C. Kaiser-Wilhelmsland.

Bei den übrigen unter II. angeführten Fällen handelte es sich um Kranke, die von anderen Stationen, Schiffen, Missionen usw. dem Hospital zur Behandlung überwiesen wurden.

III. Kasuistik.

a. Malaria und Schwarzwasserfieber.

Von den 39 Krankheitsfällen mit 299 Behandlungstagen entfielen auf: Malaria oder Schwarzwasserfieber mit oder ohne Komplikatio­nen 29 gleich 74,4 % Fälle mit 209 gleich 69,9 % Krankentagen.

Meist handelte es sich um Fälle von Malaria tropica, der hier häufigsten Form. Bei den unterMalaria unbestimmten Charakters angeführten Fällen handelte es sich um solche, bei denen vorher schon Chinin genommen war, und daher Parasiten im peripheren Blut sich nicht mehr fanden, oder auch um frische Fälle, die trotzdem Para­siten im Fingerblut nicht aufwiesen, bei denen die Diagnose aber kli­nisch genügend gesichert war, um mit der Chinintherapie nicht etwa zu warten, bis die Diagnose Malaria auch durch Parasitennachweis bestätigt war. Bei fieberhafter Erkrankung braucht selbst bei nicht sicherer Diagnose mit der Chiningabe nicht gezögert zu werden, da durch das Chinin in keinem Falle ein Schaden angerichtet werden kann.

In der Therapie der Malaria werden von mir jetzt die Noclitschen verteilten Dosen zu 0,2 g verwandt. Ich beginne mit der Chiningabe aber erst auf der Höhe der Temperatur; ich habe damit gute Erfah­rungen gemacht. Da bei den bisher von mir beobachteten Schwarz­wasserfieberfällen die auslösende Chiningabe stets bei gerade anstei­gender Temperatur genommen war, scheue ich davor zurück, mit der Chinintherapie schon beim Anstieg der Temperatur zu beginnen.

Bei dem einen Fall, der untergraviditas et Malaria tropica auf- gefiihrt ist, handelte es sich um die Frau eines Beamten der Heu-Guinea- Compagnie, die im fünften Monat ihrer Gravidität frisch ins Land ge­kommen war. Trotz anfänglicher angeblicher Chinin-Prophylaxe von 0,2 g jeden zweiten Tag hatte sie vor ihrer Hospitalaufnahme ein Ter­tianfieber zu iiberstehen und während ihres Hospitalaufenthaltes ein Tropicafieber. Danach wurde sie veranlaßt, jeden vierten Tag 1 g Chinin in verteilten Dosen zu nehmen. Die Gravidität nahm einen regelrechten Verlauf. Die Geburt erfolgte etwa 14 Tage vor dem erwarteten Termin leicht und glatt, obwohl es sich um eine ältere Primipara handelte. In fast allen Fällen, bei denen ich hier bisher Schwangerschaft und Geburt habe beobachten können, war Chinin prophylaktisch dauernd genommen worden, ohne jede schädliche Wirkung. Im Gegenteil verliefen die Ge­burten, meist erste, stets leicht.

Von den drei Schwarzwasserfieberfällen betraf einer einen Pa­tienten in der Rekonvaleszenz, einen Schiffsmaschinisten. Er hatte auf der Fahrt nach Sydney ein schweres Schwarzwasserfieber zu überstehen. Der Rat zur Heimreise war ihm bereits dort erteilt worden. Als er hier wieder eintraf, hatte er sich gut erholt und trat mit dem nächsten Postdampfer die Heimreise an. Von den beiden anderen Fällen gebe ich im Nachfolgenden die Krankengeschichten, die manches Interessante bieten.