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III. Togo. D. Tätigkeit der Schlafkrankheitskommission.
i. Verletzungen.
Hauptsächlich wird Zeit und Betätigung des Arztes in Anspruch genommen von den kleinen Verletzungen, die in allen Stadien und mit allen möglichen Veränderungen zu Gesicht kommen: bald als frische Riß- oder Quetschwunden, bald als vernachlässigte, phlegmonöse Wunden, bald als einfache Hautgeschwüre, bald als tropische Geschwüre jeden Alters und Grades. Sie betreffen (daher ihre günstige Prognose) vorzugsweise junge Menschen. Häufig genug präsentieren sich auch ulcera cruris, die sich — zumal beim Fehlen von erweiterten Venen — nach Aussehen, Entwicklung, Verlauf und Narbenbildung kaum von den runden Tropengeschwüren trennen lassen; indessen ist in der Regel die wenigstens anfangs kreisrunde Form, der aufgeworfene, z. T. unterminierte Rand, der tiefe, sulzig belegte, brandige Boden, die Tendenz fortschreitender Nekrose charakteristisch genug, um auch ohne mikroskopische Untersuchung die einzig erfolgreiche Behandlung zu veranlassen, das heißt, die energische Entfernung des nekrotischen und mit Infektionserregern vollgestopften Gewebes. Uns hat cruttement (eventuell in Narkose), Randumschneidung, Jodtinkturpinselung bis zur Reinigung, dann mehr minder indifferenter, feuchter Verband gute Dienste geleistet.
k. Eklampsie.
Über einen Eklampsie-Fall berichtet mein Vorgänger:
„Die Frau wurde gleich nach den ersten Anfällen zur Behandlung gebracht, zunächst in Narkose gehalten, da die Portio noch zapfenförmig war. Doch da die Geburt in 1 y s Stunden kaum merklich fortschritt, wurde der Cervix mit dem Brassischen Dilatator gedehnt, die innere Wendung gemacht und das Kind extrahiert. Das Kind war während der Geburt gestorben; die Mutter konnte nach fieberfreiem Wochenbett am 8. Tage gesund entlassen werden. Händedesinfektion nach Schumburg (nur mit Alkohol).“
D. Tätigkeit der Schlafkrankheitskommission.
Von Oberstabsarzt und Regierangsarzt Dr. Zupitza.
1. Geschichtliches.
Die ersten Beobachtungen über das Auftreten der Schlafkrankheit in Togo erbrachten die Regierungsärzte Dr. H i n t z e*) und Dr. K r u e g e r**) in den Jahren 1903/04. Sie hatten im Bezirk Misahöhe 9 bzw. 7 Schlafkranke im vorgeschrittenen Stadium beobachtet. Die Kranken verteilten sich auf die westlich des Zentralgebirges gelegenen Landschaften bis einsc-hl. Buem und auf das am
*) K. Hintze: Die Schlafkrankheit in Togo. Deutsche Medizinische Wochenschrift 1904.
**) Krueger: Bericht über die Schlafkrankheit in Togo. Archiv für Schiffs- und Tropen-Hygiene 1904.